Natürlich wohnen, glücklich leben.

Natürliches Wohnen ist derzeit die große Sehnsucht in unserer Gesellschaft. Deko-Objekte und Möbel aus Holz, Horn, Leder & Co, die für warme Atmosphäre und Harmonie im Interior sorgen, werden immer beliebter. Die Natur ist nicht nur ein perfekter Gestalter vom filigranen Baum bis zum organischen rund eines Kieselsteins, sondern sie macht uns glücklich. Ein gewagter Blick in die Zukunft stellt sogar das urbane Leben ein wenig infrage.

 

Naturdeko findet inzwischen in jedem Interior statt, ob modern oder rustikal. Ein Kuhfell macht sich auf dem Gussbetonboden ebenso gut, wie in der Alpenhütte, ein Tisch aus verknarzten Wurzeln wird im Bauhaus-Bungalow sowie im Landhaus zum besonderen Kunstwerk. Auffallend ist aktuell die Verarbeitung vieler Naturmaterialien: Holz wird nicht mehr nur glattgeschmirgelt, Steine nicht hochglanzpoliert, Baumwollstoffe nicht feingesponnen. Es darf alles auch mal echt, rau und grob bleiben, das wahre Leben zeigen. Authentizität gibt Sicherheit, hier fühlen wir uns wohl und aufgehoben. Natürliches Wohnen sorgt somit auch für positive Emotionen, die so wichtig sind wie selten zuvor.

1 Wanduhr von Lignis / 2 Kuhfell Teppich von Der Fellhof / 3 Tischlampe von Home Sweet Home Niederlande / 4 Inart Tisch / 5 Scholtissek Spiegel

Natürlich Wohnen: ein Sprung in den Wald und ab in die Hütte

Wer vermehrt über den Hashtag #forestbathing stolpert und Menschen beim Umarmen eines Baumes entdeckt, sollte das nicht belächeln. Ein „Bad im Wald“, wie viele Japaner den Waldspaziergang nennen, gehört wahrscheinlich zu den besten Selfcare-Ideen. Viele Japaner sind von der heilenden Wirkung des Waldes überzeugt, das „Shinrin Yoku“, also das „Waldbaden“, gilt als anerkannte Methode des Stress-Managements und wird dort bereits seit den Achtzigerjahren wissenschaftlich erforscht. Ein Waldspaziergang wirkt wie eine stimmungsaufhellende Aromatherapie: die Phytonzide, organische Stoffe, die von den Bäumen und Pflanzen produziert werden, stärken unser Immunsystem, wenn wir sie einatmen. Die Sehnsucht der Stadtmenschen nach Natur wächst offensichtlich und so verwundert es auch nicht, dass Websites und Insta-Accounts wie cabinporn.com immer bekannter werden: Hier wird nichts anderes gezeigt, als Bilder von einsamen, alleinstehenden Hütten in freier Natur mit spektakulärer Architektur. Aber auch in einem anderen Sektor macht sich der Wunsch nach natürlichem Wohnen bemerkbar: In der Immobilienwirtschaft stieg die Nachfrage nach Häusern in ländlicher Umgebung im Vergleich zum letzten Jahr um 50 Prozent. Kein Wunder: Wer vermehrt im Homeoffice arbeitet, muss seinen Wohnort auch nicht mehr nur vom Arbeitsplatz abhängig machen. Zuhause ist, wo man Wi-Fi hat. Die Veränderung der Arbeitswelt belebt definitiv die Nachfrage nach einem Leben auf dem Land. Auch in Zukunft wird das urbane Leben wohl mehr und mehr infrage gestellt werden. Und bis es so weit ist, wird uns ansprechende Naturdeko begleiten, so wie der naturbelassene Lampenfuß in Wurzelform von Light & Living, die Kerzenhülle aus verholztem Agavenstamm von Uccelino oder die Holzkommode von Kare Design, die Bergweltschnitzereien im Naturholz zeigt.

Light & Living
1 Muurla Tasche / 2 Buchstütze von Züny / 3 Uccelino Kerze / 4 Beistelltisch von Trademark Living / 5 Hochkommode von Kare Design

Naturdeko und nachhaltige Wohnaccessoires

Wer sich für natürliches Wohnen entscheidet, hat auch ein Auge auf die kleinen Dinge. Ein Kamm, der aus Horn statt Plastik gefertigt ist, nachhaltig produzierte Wollpullover, Wollfilz-Seifen oder handgemachte Leinentaschen sind nicht nur zeitlose Begleiter, sondern bei der Herstellung werden in Vergessenheit geratene Handwerkstechniken wiederbelebt. Die litauische Designerin Ilze Lebus betreibt in Berlin das Fashionlabel Leingrau und veredelt Leinenstoffe mit einer alten Technik: Das Naturmaterial wird mit Wollfasern verfilzt und bekommt dadurch eine einmalige Textur, die ihre Kleider und Accessoires so poetisch wirken lässt. Auch die edlen Dokumentenmappen aus Sattelleder von LGNDR werden traditionell gegerbt: mit rein pflanzlichen Stoffen. Eine von Hand hergestellte Peeling-Seife mit Aktivkohle und Mohn von The Munio strahlt Natürlichkeit und Wert aus, auch das Taschenmesser von Victorinox mit Holzgriff ist ein Naturschatz besonderer Art.

1 Mütze von Dimo Accessoires / 2 Pullover von Nicole Pietag / 3 Ohrringe von The Craftshop / 4 Mappe von LGNDR / 5 Dokumententasche von daff / 6 Leingrau Handtasche
The Munio
Victorinox
1 Bartkamm von El Puente / 2 Raumgestalt Seife / 3 Mäppchen von Blumenfisch

Natürlich Wohnen bis in die Küche

Gesunde Ernährung steht hoch im Kurs und nicht nur die gehobene nachhaltige Gastronomie achtet auf gute Zutaten, lokale und regionale Produkte und Bio-Qualität. Aus dieser naturbewussten Koch-Bewegung resultiert natürlich auch ein ganz neuer Umgang beim Zubereiten der Speisen. Wer sein Bio-Brot selbst backt, steckt es natürlich lieber in einen Leinenbeutel als in die Plastiktüte. Ob Küchenschürze, Schälchen oder Salz- und Pfeffer-Streuer, überall finden Natur-Attribute Anklang und sorgen für Wohlgefühl. Dabei kann das Küchen-Design aus rustikalen Naturmaterialien durchaus modern wirken. Besonders eindrucksvoll wird das im Alpenressort Puradies im österreichischen Leogang demonstriert. Ein geschwungener Tresen, der von einem Schreiner der Region aus 16.000 Eichenholzwürfeln gebaut wurde und sich mit modernem Mobiliar und Naturdeko zu einer futuristischen Sitzlandschaft formt. Und wo wir beim Tresen sind: Im Kühler aus Speckstein von Täljsten erreicht der Drink nach wenigen Minuten die ideale Genusstemperatur.

Puradies Hotel bei Salzburg, Österreich, © Peter Kühnl
1 + 2 Whiskysteine und Kühler von Täljsten
Teemu Järvi Illustrations
Lapuan Kankurit
Morso
Klatt Objects

New Yorker Landleben: die Catskills

An den Wochenenden machen sich unzählige New Yorker auf in die Catskills, eine raue Bergregion im Norden mit wilden Wäldern und Wasserfällen. Auf den kleinen Wanderpfaden begegnet man nicht selten Schwarzbären und Giftschlangen, von Touren ohne Begleitung wird abgeraten. Aber genau in diesem unberührten Wald entdecken selbst die überzeugtesten Stadtpflanzen, wie glücklich diese atemberaubende naturbelassene Landschaft machen kann. Viele der Hütten und Lodges sind angesagt wie eine Rooftop-Bar in Manhattan. Es handelt sich allerdings nicht um durchgestylte Designtempel, sondern eher um authentische Refugien, in denen man durchatmen und Kraft tanken kann. So wie das liebevoll eingerichtete Brushland Eating House. Vor einigen Jahren entdeckten Sara und Sohail Zandi, ein junges Ehepaar aus Brooklyn, das leerstehende Haus in den Catskills und verwirklichten sich ihren Traum vom eigenen Restaurant mit Gästezimmern. Gekocht wird klassisches Soulfood aus regionalen, nachhaltigen Zutaten, das von den einheimischen Farmern ebenso geliebt wird, wie von hungrigen Wander-Touristen. Hier steht die Zeit nicht still, aber gute Dinge können ja auch einfach mal so bleiben wie sie sind, oder?

Hotel Brushland Eating House in den Catskills, USA © Christian Harder