Glamour ohne Grenzen.

Schriller, bunter, radikaler. Die wilden Achtziger sind wieder da. Der 80s Glam erinnert an eine Ära, in der Möbel zu Statussymbolen avancierten und Designer zum Befreiungsschlag gegen festgefahrene Sehgewohnheiten ansetzten. Nichts war unmöglich – und der Glamour kannte keine Grenzen.

Sephora Playground Pop-Up-Store in Singapur
Printworks

Ein gigantischer Kussmund, überdimensionierte Lippenstifte, eine rosafarbene Eisdiele und aufblasbare Flamingos: Als die Kosmetikmarke Sephora 2018 ihren zehnten Geburtstag feierte, verwandelte sie eine schnöde Veranstaltungshalle in Singapur in ein 700 Quadratmeter großes Spieleparadies. Mit seinen Neonlichtern und Münztelefonen war das „Sephora Playhouse“ das perfekte Spektakel für Social Media – und eine klare Reprise der Achtzigerjahre. Es ist kein Zufall, dass das genau jetzt passiert. Die größer werdende Distanz lädt die Achtziger mit neuer Resonanz und Euphorie auf. Nicht nur bei den Generationen, die sie erlebt haben, sondern besonders bei den Jüngeren. Jeder will sich mit dem 80s Glam schmücken, will das Wohlbefinden spüren, das diese Epoche aufleben lässt: Die einen, weil sie den Glanz ihrer Jugend noch einmal erleben wollen; die anderen, weil sie Halt suchen in einer zunehmend orientierungslos machenden Welt.

1 Buch "The House of Glam" von Gestalten
2 Mixer von Smeg
3 Champagnerschale von LSA International
4 Lakritz von Lakrids by Bülow
5 Teppich von KARE
6 Dekofigur von Gift Company
1 Buch "The House of Glam" von Gestalten
2 Mixer von Smeg
3 Champagnerschale von LSA International
4 Lakritz von Lakrids by Bülow
5 Teppich von KARE
6 Dekofigur von Gift Company

Vintage-Looks auf der Höhe der Zeit

Die Achtzigerjahre sind dafür ein dankbares Spielfeld. Zum einen, weil in der Mode und im Interieur das Design der 1950er bis 1970er Jahre schon hinreichend durchdekliniert wurde, zum anderen, weil das Jahrzehnt stilistisch wild gemischt war und viel Freiraum für Interpretationen lässt. Schultern waren die wichtigsten Körperteile, es gab Bundfalten und Puffärmel, auf jedes Kleidungsstück wurden Logos gedruckt. Heute, wo „Athleisure“-Mode den Alltag erobert und Sportteile problemlos auch im Alltag getragen werden können, feiern Kultmarken wie Ellesse ein großes Revival. Im Interior-Bereich holen Designer wie David Alhadeff, Cristina Celestino und Nina Yashar das Jahrzehnt mit ausdrucksstarken Farben und Texturen sowie ungewöhnliche Formen zurück (gut zu sehen im Buch „The House of Glam – Lush Interiors & Design Extravaganza“ von Gestalten). Auch neue Labels wie die koreanische Brillenmarke Gentle Monster spielen in ihren Filialen mit dem 80s-Vibe. Was Vintage aussieht, ist auf der Höhe der Zeit: Pop-Art-Fellteppiche schmücken Boden und Wände wie Kunstwerke, goldene Tierskulpturen werden Statement-Pieces.

Gentle Monster Store in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
1 Büste von Inart
2 Armreif von D&X London
3 Ring von Chebu
4 Sonnenbrille von Swarovski
5 Spiegel von Andrea House
6 Stiefel von Ebarrito
7 Handtasche von Hi-di-hi
Le Creuset

Möbel, über die jeder spricht

Die Achtziger waren eine Ära, in der Möbel zu Statussymbolen avancierten. Das Aussehen war dabei wichtiger als die Funktion. Unvergessen ist etwa Philippe Starcks Zitronenpresse für Alessi aus dem Jahr 1987, die wie eine Raumsonde aussah – und nicht wirklich funktionierte. Sollte sie auch nicht. Sie war als Conversation Starter gedacht. Heute indes muss auf die Funktionalität niemand mehr verzichten. Ob Handtasche oder Möbel – Schrill hat Konjunktur: Andrea House präsentiert einen Spiegel, an dem wilde Fransen hängen, Ebarrito bringt eine Stiefelette im Lamé-Look auf den Markt. Es sind die perfekten Accessoires für eine Generation, die „Baywatch“ oder „Miami Vice“ neu für sich entdeckt. Die Kultserie „Miami Vice“ war es auch, die die amerikanische Metropole Miami vom Moloch zur „Capital of Cool“ katapultierte. Spannend, dass nun ausgerechnet im kleinen Reykjavík diese Welt wieder auflebt: Das Interieur der „Bar Miami“ erinnert an die Kulisse der Serie.

Miami Bar in Reykjavík, Island

Im Keller der Bar gibt es einen Ping-Pong-Raum, der an Memphis angelehnt ist – jene Bewegung aus Italien, die sich als Antithese zum stromlinienförmigen Mid-Century-Design verstand und in der Abkehr von der traditionellen Formgebung gegen jeden guten Geschmack anzukämpfen suchte. Die geometrischen Figuren von Art Deco, die Farbpalette des Pop Art und der Kitsch der 1950er Jahre inspirierten ihre ungewöhnliche Ästhetik. Doch obwohl die „Memphis“-Gruppe um Ettore Sottsass in Italien seinerzeit bekannt war, waren die Möbel dennoch kaum verbreitet – viel zu radikal. Heute werden die Entwürfe hingegen gefeiert, auf Auktionen erzielen sie Höchstpreise. Werke von Designstars wie Ettore Sottsass, Ron Arad und Toshiyuki Kita sind gefragt wie nie. Sie schlugen der puristischen Moderne ein Schnippchen und befreiten das Design aus den Zwängen des bisher Dagewesenen. Eine Radikalität, die heute viele vermissen.

The Craft Shop
Rotate
1 Uhr von Royal Doulton
2 Champagnerglas von Collevilca
3 Blumentopf von Casablanca
4 Tischlampe von Eichholtz
5 Stuhl von Mauro Ferretti
6 Centerpiece von Evans Atelier
1 Uhr von Royal Doulton
2 Champagnerglas von Collevilca
3 Blumentopf von Casablanca
4 Tischlampe von Eichholtz
5 Stuhl von Mauro Ferretti
6 Centerpiece von Evans Atelier

80s Glam mit Metallic-Kleid und Korallen-Ohrringen

Die Achtzigerjahre waren nicht überall gleich. Sie zeigten sich von Land zu Land in ganz unterschiedlichen Facetten: Wo es die Italiener mit ihrer Memphis-Bewegung um Ettore Sottsass farbenfroh und verspielt angehen ließen, dominierten in Deutschland Schwarz und Chrom. Die Franzosen hingegen setzten ganz auf Glitzer und Glamour. Zum eleganten Auftritt im 80s Glam mit Metallic-Kleid und Korallen-Ohrringen gehören Möbel und Leuchten, die Aufsehen erregen – und die auch heute wieder gefragt sind. Dazu zählen zum Beispiel die Smaragdtischlampe aus klarem Kristallglas von Eichholtz mit einem Lampenschirm aus Wildleder, die wie ein Juwel mit den Champagnerflöten von Collevilca und der Tischuhr von Royal Doulton um die Wette glitzert. Und auch ein anderes Objekt findet zu altem Glanz: der Tafelaufsatz. Diese französische Erfindung aus den 1690er Jahren, die in den 1980ern ausgiebig zelebriert wurde, kehrt auf die Tische zurück. Tischaufsätze sind Designobjekte wie dieses von Evans Atelier, die oft aus Silber bestehen oder teilvergoldet sind und deren einziger Zweck es ist, dekorativ zu sein.

Feroce Bar im Moxy Chelsea Marriott International Hotel in New York, USA
1 Ornament von Light & Living
2 Teppich von Broste Copenhagen
3 Kissen von Riviera Maison
4 Sessel von Tom Dixon
1 Ornament von Light & Living
2 Teppich von Broste Copenhagen
3 Kissen von Riviera Maison
4 Sessel von Tom Dixon

Die Achtziger schlugen aber auch dezentere Töne an, die sich aus den Siebzigern herübergerettet hatten. Erdtöne und Sichtbeton wurden mit geradlinigen Stahlgestellen und ausladenden Sitzgruppen mit federweichen Kissen kombiniert. In der „Bar Feroce“ im Moxy-Hotel in Chelsea, New York, wird diese Welt zeitgenössisch mit hohem Glamour-Faktor interpretiert. Von klassischen Statuen in ungewohnter Haltung (etwa beim Selfiemachen) hin zu scheinbar bunt zusammengewürfelten Objekten, die Bewegung in den Raum bringen und entfernt an die Natur erinnern, gibt es viel zu entdecken, ohne dass der Ort wie eine Rumpelkammer wirkt. Denn die Achtziger liebten es ausgefallen und tierisch. Eine schaukelnden Chaiselongue von Tom Dixon in Form eines Vogels? Ein Objekt von Light & Living, das an eine Schildkröte erinnert? Ein Kissen von Riviera Maison in goldenem Leopardenmuster? Wenn uns die Postmoderne der 80er eines gelehrt hat, dann die Devise, dass nichts unmöglich ist.

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