I love my Bike.

Immer mehr Menschen fahren Fahrrad. So entsteht gerade ein ganz neues Lebensgefühl, das viel mit urbanem Genuss und neuer Mobilität zu tun hat. Dieser umweltbewusste Lifestyle ist für Design und Handel ein spannendes und stark wachsendes Feld.

Zeit zum Umsteigen

Pop-up-Radwege sprießen aus dem Boden, und werden unbürokratisch und provisorisch mit Baustellen-Pollern und Blumenkästen von den Autospuren abgetrennt. Das Fahrrad verdrängt 2020 das Auto. Was wie eine Utopie klingt, verändert gerade die Stadtbilder von Bogotá bis Berlin und damit auch die Einstellung vieler Menschen zur Mobilität. Mit dem Fahrrad durch London, Mexico City oder Paris zu fahren, galt früher als Kamikaze-Tour für die ganz Harten, heute rollen Zweiräder gemütlich durch die Fahrradstraßen. Der Autoverkehr geht vielerorts massiv zurück und immer mehr Menschen entdecken so ihre Liebe zum Fahrrad neu. Selbst in der „Motoristi“-Stadt Rom, in der in Europa die meisten Autos pro Einwohner gezählt werden, radeln immer mehr Menschen über die Hügel: Römische Fahrradgeschäfte melden Rekordumsätze, der Run auf Räder und Fahrrad-Accessoires ist immens. Auch diese Beobachtung bestätigt: Das Auto scheint als Statussymbol langsam auszudienen, viele Studien belegen dies bereits bei den jungen Generationen.

Reisenthel

Der Ausbau von Radwegen steht in vielen Städten ganz oben auf der Agenda. Als Vorbild dient bei der Planung immer wieder Kopenhagen, die dänische Hauptstadt gilt als fahrradfreundlichste Stadt der Welt und bereits über 60 Prozent der Einwohner radeln täglich zur Arbeit, nur 9 Prozent fahren Auto. Neben Konzepten wie Bike-Garagen, Fahrrad-Schnellstraßen und radfreundlichen Ampelschaltungen zieht hier auch noch ein ganz anderes Argument: Radfahren macht hier so viel Spaß, dass es attraktiver als jede Autofahrt wird. Hier schlängeln sich die Fahrradwege pittoresk durch die schönsten Viertel der Stadt, die autofreien Brücken wie die „Cykelslange“ sind touristische Sehenswürdigkeiten und architektonische Glanzstücke.

Winbees
Perstorp Design

Bikestyle mit Anspruch

Das Fahrrad macht dem Auto nicht nur als Transportmittel, sondern vor allem als Lifestyle-Objekt Konkurrenz. Luxuriöse Rennräder aus Carbon und Titan, stylische Familien-Lastenräder, die in den Innenstädten längst den Kleinwagen ersetzen, Hightech-E-Bikes oder charmante Nostalgie-Gazellen mit hohem Instagram-Potential sind ein eigener Design- und Handwerks-Kosmos, der durch den aktuellen Bike-Boom weiter wachsen wird. Diese neue Form von Mobilität beflügelt einen ganz neuen Markt für smarte Fahrrad-Produkte. Wie die Biker-Sonnenbrille von Winbees, die man wie ein Visier am Helm befestigt, über schlaue Transport-Lösungen wie der Shopping-Trolley von Andersen, den man von der Supermarkt-Kasse direkt ans Fahrrad koppelt. Auch wetterfeste Rucksäcke, faltbare Taschen, Accessoires mit Licht-Reflektoren oder Multi-Tools mit schönem Design oder Smartphone-Zubehör fürs Bike sind begehrenswerte Accessoires mit Sinn und Nutzen.

Andersen Shopper
Liix
1 Rucksack von Doiy Design / 2 Fahrradklingel von Liix / 3 Multifunktionstool von Thumbs Up / 4 Tragetasche von Everless / 5 Rucksack mit USB-Port von Prodis Design / 6 Kabelbinder von Cable Candy / 7 Schlüsselorganizer von Reviermanufaktur
March Design Studio
Notabag

Outdoor-Produkte für das urbane Leben

Wer gemütlich durch sein Viertel radelt, entdeckt es automatisch neu. Der Sonnenplatz am Stadtbrunnen, die Parkbank für die perfekte Blue-Hour, die schattenspendende Kastanie sind die Sehnsuchtsorte der Zeit. Das kleine große Glück vor der Haustür heißt „Summer in the City“ und war tatsächlich schon immer eines der prächtigsten Lebensgefühle überhaupt.

Knister Grill

Das war auch die Inspiration für Carolin Kunert, die junge Gründerin des erfolgreichen Start-ups Knister. Für das Grillen in der Großstadt war die Industriedesignerin lange auf der Suche nach einem nachhaltigen Klapp-Grill, der nicht sofort durchrostet und sich einfach mit dem Fahrrad transportieren lässt, Kohle und Grillwerkzeug inklusive. Also startete sie ihre eigene Brand – Inzwischen wurde Knister mit dem Red Dot Award ausgezeichnet.

1 Taschenmesser von Deejo / 2 Grillbesteck von Troika / 3 Grillanzünder von DNC Tag / 4 Taschengrill von Kikkerland

Outdoor-Food ist ein großer Trend, vor allem bei einer jungen, urbanen Zielgruppe. Neben ansprechendem Design ist auch Nachhaltigkeit bei der Grillparty am Flussufer, dem Lunch auf der Parkbank oder dem Picknick im Stadtpark ein wichtiges Argument. Wiederverwertbares Geschirr und umweltfreundliche, praktische Tools finden hier viel Anklang. Lässige Kühltaschen, wie die wasserfesten Bags im Segler-Look von Be Cool oder die natürlichen Schaffell-Kühler von Kywie sind lässige Statements und auch Camping-Geschirr muss keiner mehr verstecken, wenn es im futuristischen Ufo-Look gestaltet ist, wie das Picknick-Set von Skaza, das höchst funktional das komplette Geschirr für ein 4-Personen-Dinner beinhaltet.

1 Getränkekühler von Kywie / 2 Picknick-Set von Skaza / 3 Kühltasche von Be Cool / 4 Picknickdecke von Remember / 5 LED Bluetooth Lautsprecher von Karsten

Designstudien für die Zukunft

Die Geschichte des Picknicks hat das Madrider Architekturbüro TRTM zu einem spannenden Projekt inspiriert. Was passiert, wenn das Picknick nicht auf der Wiese, sondern im urbanen Kontext auf einem Platz mit Pflastersteinen stattfindet? Daraus ist der Rucksack „Technopicnic“ entstanden, der mit Solarzellen, Lautsprecher und USB-Ladestellen ausgestattet ist und darüber hinaus einen faltbaren Tisch und Sitzkissen beinhaltet. So wird aus jedem Hinterhof im Nullkommanichts eine Party-Location.

Bemerkenswert ist auch die Picknick-Box „Bule“ der kanadischen Produktdesignerin Naomi Tat. Optisch von einer Henkel-Lunchbox inspiriert, inhaltlich dem romantischen Aperitif bei Sonnenuntergang gewidmet, mit Dekanter für den Wein und kleinen Fächern für Trauben, Käse und Brot. Das sind nur einige junge Designstudien, die uns erzählen, wohin die Reise – auch ohne Benzinmotor – gehen könnte.

TRTM Architects
Naomie Tat

Runder Lifestyle

Ein weiterer Fahrrad-Trend macht sich im urbanen Großstadtleben bemerkbar: Stylishe Fahrrad-Boutiquen und Cafés, die mit ihren Multi-Konzepten eine besondere Klientel anlocken. Hier snackt man nicht nur im coolen Ambiente, sondern nebenbei kann man Fahrräder, Helme und Bike-Outfits shoppen oder Bike-Workshops und Gruppen-Touren buchen. In Paris ist der Steel Cyclewear & Coffeeshop eine Institution für sportbegeisterte Radfahrer, in Mailand lockt das Upcycle Bike Café mit seiner Skandi-Küche und Berliner Rad-Aficionados treffen sich in den gemütlichen Locations von Steel Vintage Bikes. Aber das Wichtigste: Der Austausch mit anderen fahrradbegeisterten Menschen, die die Welt durch ihr Engagement und Umweltbewusstsein vielleicht ein bisschen besser machen.

Steel Cyclewear & Coffeeshop, Paris, © HiP Paris Blog und Jean-Marie Heidinger

Titelbild: Cykelslangen in Kopenhagen, Dänemark, © Jakob Munk