Meet and Great.

Die Ambiente ist für internationale Blogger und Autoren von Interior-Onlinemagazinen zunehmend ein Anlaufpunkt – hier finden sie für ihre Plattformen den besten Trend-Input und unzählige ‚instagrammable‘ Markenerlebnisse. Wir haben einige von ihnen getroffen, um sie nach ihren Eindrücken zu fragen. Einigkeit herrschte über den Megatrend Nachhaltigkeit, welchen, das war in den Hallen unübersehbar, die Industrie jetzt stark unterstützt. Warum das und vieles andere die Blogger brennend interessierte, erfahren Sie bei uns.

 

Nachhaltigkeit nicht nur bei Nischenprodukten

Wie ein herzliches Wiedersehen, nur, dass man sich vorher nicht persönlich kannte. Schnell war die Runde der Blogger und Onlineautoren im Gespräch, die im Ambiente Design-Café „Flowers in Scene“ zum Kick-off zusammenkam. Begrüßt wurden sie von Vice President Ambiente Nicolette Naumann, die das Profil der Messe vorstellte und die Beobachtung der Gäste bestätigte: „Tatsächlich bestimmt der Gedanke der Nachhaltigkeit zunehmend die Ambiente. Unternehmen, die früher diesen Aspekt nicht in den Vordergrund stellten, bieten jetzt 100-prozentige Bioproduktlinien und damit auch Kunststoffe, die sich problemlos recyceln lassen. Ältere Unternehmen, die schon immer nachhaltig produzierten, Keramik oder Glas beispielsweise, sprechen nun darüber, das ist neu.“ Die Blogger, die naturgemäß ein großes Faible für Nischenprodukte haben und oft dem mit viel Euphorie Handgemachten den nachhaltigen Trumpf zuspielen, konnte Nicolette Naumann damit überraschen: „So sehr auch ich solche Nischenprodukte liebe, sie allein werden das Problem nicht lösen können. Wir brauchen die Industrie dafür.“ Damit war ein ganz wesentlicher Impuls auf das große Thema verantwortungsvoller Produkte gesetzt, den die Blogger bei ihren weiteren Erkundungstouren mitnahmen.

Upcycling wird stärker

Sie hatte die weiteste Anreise – Shelby Wax kam eigens aus New York, ihr erster Ambiente Besuch. Die Medienwissenschaftlerin schreibt für das Lifestylemagazin „Lonny“. „Absolut faszinierend ist die Internationalität, gleichzeitig sieht man auf der Ambiente eine Fülle lokaler Designer, Manufakturen und Hersteller. In einer globalisierten Welt so einzigartiges Design zu finden, ist wunderbar. In Frankfurt kann man sich wirklich leicht auf den neuesten Stand bringen“, schwärmte sie. Eines fiel der Amerikanerin bei den Trends auf: „Man sieht sehr viele transparente Oberflächen, was mir gefällt. Und eine neue Neutralität. Ich sage mal, Grau ist offenbar das neue Pink!“ Wie die meisten, sieht sie großes Wachstumspotenzial beim Thema Nachhaltigkeit, und ist sich sicher, dass hier insbesondere das Upcycling in den nächsten zehn Jahren immer populärer werden wird.

Seifenflaschen aus Seife

„Uns fällt auf, dass Aussteller insgesamt ihre Stände immer mehr ‚instagrammable‘ beziehungsweise ‚insta-friendly‘ gestalten, und besonders mit Farben eine stark visuelle Atmosphäre schaffen, damit das Gesehene gern auf Social-Media-Kanälen gezeigt und geteilt wird. Darauf wird viel Wert gelegt“, schilderten Johannes Eich und Pierre Starkloff, die Macher von „Schoenhaesslich“, ihre Beobachtungen. Hatten die beiden Blogger im vergangenen Jahr vor allem ausgefallene Geschenkartikel im Blick, kamen sie diesmal am omnipräsenten Trend nicht vorbei: „Das Thema Nachhaltigkeit ist schon sehr auffallend. Unser Highlight ist eine Seifenflasche aus Seife. Damit ließe sich allein bei Shampooflaschen jährlich jede Menge Plastik einsparen. Klasse ist wieder der ‚Talents‘-Bereich, wo man komplett neue Dinge sieht, an welche die Industrie oder größere Firmen noch nicht gedacht haben. Apropos ‚Talents‘. Unser Highlight ist eine kreisrundes schallschluckendes Akustik-Paneel mit pastelligem Farbverlauf. Ganz stark. Klick-Klick, machte da sofort unser Smartphone.“


Der skandinavische Blick

Fulltime-Bloggerin Niki Brantmark lebt in Schweden, kommt aber eigentlich aus London. Über den typisch schwedischen Lifestyle hat sie bereits mehrere Bücher geschrieben. Das Bloggen erlebe gerade wieder einen Aufschwung, erzählte sie, und was sich jetzt durchsetze seien persönliche Einblicke und weniger die Kommerzialisierung. „Auf der Ambiente halte ich Ausschau nach dem, was glücklich macht, ich sah natürliche Materialien, Erdtöne und Handgemachtes.“ Ihr Fazit zieht sie vor dem Rückflug nach Malmö mit weitem Herzen: „In Frankfurt entdecke ich jedes Mal etwas Neues, ich komme einfach sehr gern hierher. Die Messe ist meine jährliche ‚Pilgerfahrt‘, wenn man so will.“


Die Finnin Marja Wickman dagegen kam zum ersten Mal und fand zu ihrer großen Überraschung ein kleines, brandneues finnisches Label, „das wirklich sehr coole Hundebekleidung anbietet“. Man muss nach Frankfurt, um Schätze des eigenen Landes zu heben, wie es scheint. Seit 2012 ist Marjas Blog „Marjawickman“ online, dieser ist mehrfach preisgekrönt und ein Lieblingsprojekt der 38-Jährigen, die hauptberuflich in Helsinki als Interior-Art Director arbeitet. Bloß nicht verbissen auf die Followerzahlen schauen, ist ihr Credo: „Das schafft nur Abhängigkeiten. Ich will meine Leichtigkeit behalten.“

Anfassen ist Inspiration

Das Stichwort visuelle Atmosphäre spricht Nicole Maalouf aus der Seele, ihr Interior-Magazin „SoLebIch“, das die Münchnerin vor 13 Jahren gründete, lebt gleichsam von der schönen Welt des Wohnens. Neu im Konzept sind die „SoLebIch Appartements“ in München und Köln, verortet in interessanten historischen Gebäuden, als temporäre Get-together-Locations für Designaffine. „Den Trendbereich in der Ambiente Galleria finde ich superschön, er dürfte ruhig noch größer sein. Die Ambiente ist immer Inspiration, auch da man hier, anders als bei Onlineshops, die Haptik der Produkte erleben kann, besonders beim Porzellan halte ich das für wichtig. Darüber hinaus finde ich grafische Tierdarstellungen schön, viele sehr hübsche gibt es. Laut einer Studie soll ja der Anblick von schlafenden Tieren glücklich machen“, erklärte die studierte Innenarchitektin ihre Highlights. Ihr fielen weiter Hersteller auf, die bei Lebensmittelbehältern jetzt mehr auf durchdachte Designs und Trendfarben setzen, um den verpackungsfreien Einkauf im Supermarkt stylischer zu machen. „Hier passt sich die Industrie deutlich der Nachfrage an.“ Neuheiten und Entdeckungen schnell auf den eigenen Plattformen kommunizieren zu können, sieht Nicole Maalouf als Vorteil eines Messebesuches. Ihr Fazit: „Man sollte auf der Ambiente gewesen sein, sonst kann man nicht darüber sprechen. Jeder sollte kommen, denn diese Messe ist spannend! Gut ist, man setzt sich Schwerpunkte, denn die Fülle ist enorm.“


For the Love of Beauty

Jo Yana war einer der ersten Design-Blogger Frankreichs, sein Blog „Joyana“ ist ein auffallend bunter Mix aus Design-Universum, Kunstgalerie und Spaßfaktor. Der sympathische Franzose aus Marseille hat eine ganz eigene Philosophie, wie er eine Messe plant. Und er besucht sie fast alle, regelmäßig und weltweit. „Ich gehe sehr schnell durch die Standreihen der Aussteller und vertraue auf mein durch die vielen Messebesuche geschultes Auge. Gutes Auge, gute Bilder, die ich dann ohne viel Text poste. Und bei der Ambiente gibt es enorm gute Bilder. Bemerkenswert ist die umfangreiche Fläche für Tableware, dort habe ich sehr formschöne Trinkgläser entdeckt.“ Dass Nachhaltigkeit ein so großes Thema ist, mache ihn froh. Seine Botschaft betrifft alle: „‚For the Love of Beauty‘, frei nach einem Zitat von Oscar Wilde.“ Begeistert erzählte er über den Besuch des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, ein weiterer Baustein im Kaleidoskop an visuellen Erfahrungen, die er weitergibt. „Das Schönste an einem Blog ist ja, er gehört dem Blogger. Das macht frei. Ich überlege, zusätzlich Podcasts einzustellen.“


‚Instagrammable‘

Beim Markenerlebnis geht heute nichts mehr ohne soziale Netzwerke. So wird die Insta-Fähigkeit zum Muss für die Unternehmen, wollen sie, dass ihre Neuheiten über die Digital Natives schnell eine weite Verbreitung finden. „Darauf legen die Aussteller der Ambiente zunehmend großen Wert“, fiel dann auch als ein Fazit der Blogger und Online-Autoren aus. Bemerkt wurden besondere Farbgestaltungen und aufwendig gestaltete Stände, die zu ansprechenden fotografischen Statements einladen. Transportiert wurde dabei das Megathema Nachhaltigkeit. Unternehmen mit einer Nachhaltigkeitsstrategie sind bekanntlich innovationsstärker. Sei nachhaltig und zeige es, ist ein Credo, dem nun auch traditionsreichere Hersteller mit neuen Produktlinien folgen. Es fiel den Bloggern leicht, mit Unternehmen und Designern ins Gespräch zu kommen, manche Kooperation ist dabei entstanden. Dazu tausendfache Klick-Klicks ihrer Kameras, womit sie ihre Plattformen füllten. Zum Abschied daher der einhellige Tenor: „Wir kommen wieder!“