Von Kaiseki bis Grie Soß.

Auch kulinarisch ist die traditionelle Handelsstadt Frankfurt weltoffen: Im Schatten der großen europäischen Metropolen entstehen hier fantastische Küchen, die man anderswo vergeblich sucht. Und die sich manchmal mit lokalen Traditionen vermählen. Neun Empfehlungen, neun Frankfurter Lieblingsrestaurants.

Nehmen wir zum Beispiel Kaiseki oder genauer kaiseki-ryōri: Die hohe Kunst der japanischen Küche, so etwas wie das Fine Dining Japans, findet man außerhalb des Landes zum Beispiel in London (und auch dort ist die Auswahl eher klein und fein). In Deutschland sind echte Kaiseki-Restaurants, die ihre Gäste mit tagesaktuellen Degustationsmenüs erwarten, noch immer eine Rarität. Und nicht immer ist das, was den Namen Kaiseki trägt, auch tatsächlich mit den kunstvoll gefertigten Menü-Folgen zu vergleichen, die man aus Japan kennt – gern in Schalen oder Holzboxen serviert, aus vielen verschiedenen Einzelkomponenten zusammengesetzt und mit saisonalen Blättern, Farnen oder Blüten dekoriert. Nun, Frankfurt darf so ein erstklassiges Lokal sein Eigen nennen: Das Nihonryori KEN in Sachsenhausen behauptet gar, die hohe Küche Japans zuerst nach Deutschland gebracht zu haben. Und mit seiner minimalistischen Ausstattung könnte diese Adresse tatsächlich auch in Japan beheimatet sein – das reduzierte Ambiente mit Holztischen ganz ohne Schnickschnack überlässt den großen Auftritt ganz den sieben- bis neungängigen Menütellern, die der Chefkoch kunstvoll drapiert.

The Sakai
Nihonryori KEN

Eat local, drei Mal anders

Auch im The Sakai schreibt man sich Authentisches auf die Fahnen: Das Restaurant wurde ganz nach den Prinzipien des Wabi-Sabi, der japanischen Ästhetik des gekonnt Imperfekten, gestaltet. Mit stimmungsvoller Beleuchtung, Stühlen und Tischen aus gut gealtertem Holz und blau-gelb-goldenen Farbtupfern bietet es die passende Umgebung für Hiroshi Sakais kulinarische Kreationen. Der Sushi-Meister nimmt die Kunst des japanischen Fine Dining ganz wörtlich: Weil dort lokale Produkte die Hauptrolle spielen, vermählt er die Küche Japans mit den Zutaten der Ebbelwoi-Metropole. Das Ergebnis sind „Klassiker mit experimentellem Twist“, wie es von Sakai heißt, abgestimmt auf die klimatischen Bedingungen Frankfurts. So, meint der Chefkoch, schmecke die japanische Küche am besten.

Solzer
Bornheimer Ratskeller

Apropos lokal: Sieben Kräuter sind es bekanntlich, aus denen die berühmte Frankfurter Grüne Soße zubereitet wird. Borretsch, Schnittlauch, Petersilie, Pimpinelle, Kresse, Kerbel und Sauerampfer – können Sie alle aufzählen? Wenn nicht, hilft man Ihnen gern in diesem Frankfurter Lieblingsrestaurant weiter: Das Solzer ist eine urige Institution und Beleg, dass man nicht unbedingt nach Sachsenhausen muss, um eine hervorragende Grie Soß zu bekommen. Gemütlich ist es hier zwischen Schrebergarten- und Wirtsstubenatmosphäre obendrein. Im selben Stadtteil befindet sich auch der Bornheimer Ratskeller, der mit weiß getünchten Backsteinwänden, tief hängenden Designerlampen und frischen Blumen auf dem Tisch eine zeitgemäße Variante des Frankfurter Traditionslokals bieten möchte. Für sein Konzept wurde Mario Furlanello mit dem Frankfurter Gründerpreis ausgezeichnet. Die Karte bietet typische Frankfurter Küche plus ausgewählte italienische Hausmannskost, jeweils mit kreativen Details verfeinert.

Bidlabu, © Patrick & Alina Photography

Frankfurter Lieblingsrestaurant: unaufgeregt gut

Ganz unaufgeregt und damit eben auch ganz passend zur Stadt: Unter dem doch recht bescheidenen Beinamen „Bistro und Bar“ bringt das Bidlabu durchaus anspruchsvolle Kulinarik auf den Teller. Im Winter stehen beispielsweise Reh und Rotkraut oder Wilder Brokkoli mit Eigelb und Trüffeln auf der Karte, im Sommer Tagesfisch mit Zucchini und Safran – reduzierte Zutaten, auf den Punkt zusammengestellt, dazu eine mehr als gut sortierte Weinkarte, mehr benötigt es in diesem Fall nicht, um sich als Frankfurter Lieblingsrestaurant einen festen Platz im Herzen vieler Stadtbewohner zu sichern. Lieber ein kleines bisschen mehr Spektakel? Dann buchen Sie einen Tisch im Aureus: Das Restaurant mit Café & Tagesbar verköstigt seine Gäste in den prächtigen Räumen der pittoresken Degussa-Villa, die mit illusionistischen Wandmalereien, blauen Polstermöbeln, Eichenparkett, Silberbesteck und handgeblasenen Gläsern ausgestattet wurde. Und auch das Personal trägt stilecht: Getrüffelte Taube oder Heilbutt aus dem Gänsefett werden hier von Servicekräften mit Goldfaden-Kleidung auf den Tisch gebracht. Wer danach noch Zeit hat, kann der Goldkammer mit zugehörigem Shop einen Besuch abstatten, die sich am selben Standort befinden.

Aureus
Aureus

Gute Aussichten

Einige weitere Adressen, die einen Besuch lohnen: Ende 2018 eröffnete das Restaurant Franziska im wieder (neu) aufgebauten Henninger Turm, in seiner Originalfassung eines der beliebtesten Frankfurter Wahrzeichen. „Progressive German Vintage Cuisine“ nennen die Macher ihr Konzept mit aufgemöbeltem Frankfurter Kranz und anderen Klassikern – viele kommen aber, kein Geheimnis, wegen des spektakulären Ausblicks. Mit seinen 360 Grad-Panoramafenstern gibt es den Blick auf die Frankfurter Skyline und den nötigen Hauch von Glam, den zum Beispiel auch schon der Cast von „Skylines“ für die Premiere der Netflix-Serie zu schätzen wusste.

Franziska, © Mook Group, Nikita Kulikov

Und dann hat uns das Jahr 2019 gleich mehrere Restaurant-Hotel-Kombinationen beschert, von denen die folgenden das Zeug zum Frankfurter Lieblingsrestaurant haben: Das Lindley Lindenberg im Ostend will weder Hotel noch WG sein, aber das Beste von beidem vereinen – Dachterrasse, Kräuterraum, gute Stube und mehrere Gemeinschaftsküchen inklusive. Ähnlich behaglich-schick geht es auch im Erdgeschoss zu, wo mit dem Leuchtendroter die selbsternannte „verruchte kleine Schwester“ des Sternelokals Seven Swans radikal regionale, weil selbst gezogene, ausschließlich vegetarische Leckereien kredenzt. Apropos Schwesterlokal: Wo ist der erste Ableger – außerhalb Berlins – des berühmt-berüchtigten Grill Royal, das Le Petit Royal, hingezogen? Nach Frankfurt natürlich, ins hiesige Bahnhofsviertel, wo es nicht nur die Hausgäste des Ameron Boutiquehotels begeistert. Mit seiner entspannten Mid Century-Eleganz und der unkomplizierten Version einer französischen Küche passt es auch ganz hervorragend hierher.

Leuchtendroter im Lindley Lindenberg Hotel, © Steve Herud
Le Petit Royal im Ameron Hotel
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