Faszination Wüste.

Extreme Hitze, wenig Ressourcen, spärliche Vegetation: typische Wüstenlandschaften bringen tendenziell nur wenige Menschen zum Träumen. Doch aus der natürlichen Topografie der Wüste sprudeln faszinierende Inspirationsquellen, die für immer mehr Trends in der Farben- und Formenwelt sorgen. Aber zum sogenannten Wüstenstil gehören auch subtile Nuancen, die ferne Welten in die eigenen vier Wände transportieren können.

 

Sünde und Zauber

Schon im Alten Testament wurde der Sündenbock in die Wüste gejagt, und auch heutzutage verheisst die daher abgeleitete Redewendung immer noch nichts Gutes. Denn wer sprichwörtlich in die Wüste geschickt wird, soll bestraft werden und sich bestenfalls nie wieder blicken lassen. Allerdings geht von den oft so stigmatisierten Wüstenlandschaften auch ein gewisser Zauber aus. So legte zum Beispiel Antoine de Saint-Exupéry seinem Kleinen Prinzen die poetischen Worte in den Mund: „Ich habe die Wüste immer geliebt. Man setzt sich auf eine Sanddüne. Man sieht nichts. Man hört nichts. Und währenddessen strahlt etwas in der Stille.“

In erster Linie sind es die Farben der Wüste, die je nach Sonnenstand unterschiedlich schillern und für solch magische Momente sorgen. Diese Effekte haben sich mit der Zeit auch Trendsetter im Einrichtungsbereich zu Nutze gemacht. Denn Gelb, Ocker, Kamel, Beige, Gold und Orange strahlen Wärme aus und schenken Räumen ein sanftes Glühen. Sie wirken nicht aufdringlich, sondern sanft und beruhigend. Noch intensiver wirken sie dazu in Kombination mit geschwungenen Formen, die unweigerlich an kilometerweite Dünen in sandigen Wüstenlandschaften erinnern.

Taciana Amorim/Marco500
Nakta World

Ziemlich beste Freunde

Genügsam ist der Wüstenstil auch im Umgang mit Möbeln und Accessoires aus anderen Wohnwelten, denn dank seiner ruhigen, unaufdringlichen Ästhetik integriert er sich mühelos in bereits bestehende Wohnlandschaften und setzt visuellen Kombinationen praktisch keinerlei Grenzen. Aber auch für einen Bruch von klassischem Design mit etwas Neuem lohnt sich die Inspiration aus den kargen Landschaften: organische Formen und zarte Erdtöne entschleunigen selbst die härtesten Kanten und opulentes Marmor.

1 Windlicht von Trevoly / 2 Beistelltisch von Premier Housewares / 3 Hocker von Home Edition Manufacturing
Blomus
1 Feuerzeug von Designnest / 2 Duftlampe von Ashleigh & Burwood London / 3 Schale von Utopia Tableware / 4 Pouf von Rivièra Maison


Wüste Highlights

Zu den typischen Merkmalen einer Wüste zählt unter anderem auch die Begebenheit, dass es nicht jeden Meter etwas Neues zu entdecken gibt. Die endlosen Weiten wirken vielmehr wie eine homogene Einheit, die durch andere Naturschauspiele, wie millionenalte Gesteine oder geheimnisvolle Oasen, aufgehellt wird. Solche punktuellen Akzente lassen sich durch Accessoires im Wüstenstil auch ganz wunderbar in moderne Wohnlandschaften zaubern. Exotisches Flair verleihen jedem Einrichtungsstil zum Beispiel ein Pouf im Berber-Stil, funktionale Accessoires mit metallenen Ornamenten, getöpferte Schalen oder Lampen, aus denen orientalische Düfte strömen.

1 Holzlöffel von Dutchdeluxes / 2 Gefäß von Vicara / 3 Terrarien von Yliades / 4 Ablage von Crafted Leather & Lifestyle

Natürliche Trümpfe

Zudem hat der Wüstenstil in Zeiten, in denen sich mittlerweile fast jeder Hersteller Gedanken über Nachhaltigkeit machen muss, einen besonderen Trumpf im Ärmel. Denn oft verbindet er Handgemachtes und natürliche Materialien zu einem harmonischen Ganzen: Holz, Erde, Sand, Stein, Leder, sukkulente Pflanzen wie Agaven, Kakteen und Aloen … die natürlichen Zutaten des Wüstenstils sind zahlreich und eignen sich bestens zum Weben, Flechten, Knüpfen, Schnitzen oder einfach nur zum Betrachten.

Ethnicraft

Angenehme Atmosphäre kann aber auch durch Accessoires erzeugt werden, die die natürlichen Begebenheiten einer Wüstenlandschaft nur suggerieren. So erinnert die Decke „Camel Nomad Throw” des belgischen Herstellers Ethnicraft mit seinen Sandfarben an die größte und wohl bekannteste Trockenwüste der Welt, die Sahara, während Notizbücher aus Kork und Tablet-Taschen mit Wüstenmotiven dem Arbeitsalltag ein wenig Exotik verleihen.

1 Notitzbuch von Miss Wood / 2 Tablet-Tasche von Wouf / 3 Sonnenbrille von Croon Glasses


Schmeichelnde Eigenschaften

Sogar die Fashion-Industrie hat das Naturspektakel Wüste mittlerweile in seinen Bann gezogen. Denn die erdigen Töne, zarten Farbnuancen und fließenden Silhouetten haben eine unschlagbare Eigenschaft: Sie schmeicheln jedem Körper und jedem Hautton. Große Modehäuser wie Christian Dior setzten die ersten Trends, Labels wie Croon und Gemini legen mit schmucken Accessoires im Wüstenstil für Männer und Frauen nach.

Christian Dior
Gemini Bracelets

Gefragtes Lebensgefühl

Aber auch die Bewohner der Wüsten, die Nomaden, stehen für ein ganz bestimmtes Lebensgefühl. Sie sind nicht sesshaft und ziehen immer wieder dorthin weiter, wo es Wasser und Futter für ihre Tiere gibt. Doch was für die Nomaden die unbeirrbaren Vorschriften der Natur sind, suggeriert für viele Menschen aus westlichen Kulturkreisen den Inbegriff von Freiheit. Sie mögen die Vorstellung, menschliche Bedürfnisse auf das Notwendigste zu reduzieren und sie praktisch an jedem Ort im Einklang mit der Natur ausführen zu können. In Zeiten der Entschleunigung sind Ruhe, räumliche Weite und Abende unter freiem Sternenhimmel so gefragt wie nie zuvor. Kein Wunder also, dass Safaris und Wüstencamps auf dem afrikanischem Kontinent voll im Reisetrend liegen.

Von der freien Lebensform der Nomaden ließ sich aber auch der französische Hersteller Solar Brother inspirieren: „Kochen am Meer, am Strand, im Wald, in den Bergen oder auf Balkonien“ erklären die Erfinder ihren Solarkocher „Sungood”, der zusammengefaltet und mit seinem Fliegengewicht von 950 Gramm in jedes Handgepäck passt.

Solar Brother
Solar Brother

Und sollte der Wüstenstil in den eigenen vier Wänden zu viel Fernweh erzeugen, kann die Suche nach Wüstenlandschaften auf einem Standglobus von Emform davon ablenken. Immerhin bedecken diese insgesamt etwa ein Fünftel der gesamten Erdoberfläche, das sind fast 30 Millionen Quadratkilometer. Oder man gönnt sich eine Pause in der Hängematte, schließt die Augen und stellt sich wie der Kleine Prinz in Gedanken einfach vor, wie irgendetwas in der Stille strahlt.

Emform
Descotis

Titelbild: Hoanib Skeleton Coast Camp in Namibia/Wilderness Safaris