Nachhaltigkeit und die Ästhetisierung des Alltags.

Gastbeitrag von Nicole Maalouf, solebich.de

Dem Thema Nachhaltigkeit wird dieser Tage mehr Aufmerksamkeit denn je geschenkt. Wie Nachhaltigkeit und die Ästhetisierung des Alltags immer weiter Einzug in unseren Alltag hält, wie sich kleine und große Hersteller diesem Thema nähern und nach Lösungen suchen? Dazu hat sich SoLebIch-Gründerin Nicole Maalouf auf der Ambiente 2020 umgeschaut.

Organic, Ethical Style und recycelbar sind Begriffe der Stunde. Wenn nachhaltige Produkte früher oft rein funktional waren, schließen sich mittlerweile Design und Umweltbewusstsein nicht mehr aus. Nachhaltigkeit kommt mehr und mehr aus der Nische heraus und wird ganz selbstverständlich Teil unseres Alltags.

Ideaco
cookplay

To go – nachhaltig unterwegs

Nachhaltigkeit bezieht sich längst nicht mehr nur auf das eigene Zuhause. Auch unterwegs muss es kein Plastik mehr sein. Das beweisen beispielsweise die poetisch schönen und kompostierbaren Take-away-Objekte von cookplay oder das spülmaschinenfeste Geschirr mit Bambusanteil des japanischen Herstellers Ideaco. Ihre filigranen Teller und Schüsseln wirken auf den ersten Blick als seien sie aus Papier gefertigt, sind jedoch wiederverwendbar für das nächste Picknick. Auch Ekobo entwirft umweltfreundliche Produkte für ein modernes Zuhause und bietet so eine dauerhafte Alternative zu herkömmlichem, oftmals zerbrechlichem Kunststoff- oder Einweggeschirr. Gleichermaßen erleben Emaille-Produkte ein Revival – wer kennt nicht die klassischen weißen Becher mit blauem Rand – jetzt aber zeitgemäß, beispielsweise in Marmoroptik beim Label Bornn.

Ekobo
Bornn

Auffällig ist, dass nicht nur kleine Nischenlabels, sondern auch große Hersteller ihr Sortiment um nachhaltige Produkte erweitern. Dies ist umso wichtiger, denn nur durch die Beteiligung der Industrie können nachhaltige Produkte in großer Stückzahl auf den Markt kommen. Bei Stelton, Eva Solo oder Design Letters erfreue ich mich an vielen farbenfrohen To-go-Bechern, die jetzt auch mit netten Sprüchen und kleinen Spiegeln im Deckel daherkommen.

stelton
stelton
Kinto
eva solo
Design Letters

Für alle Freunde von gedeckten Tönen hat das japanische Label Kinto passende Produkte. Der Hersteller Kahla wiederum überrascht bei seiner Porzellanserie Snack it mit einem neu interpretierten Gummiring, den man sonst von Einmachgläsern kennt. Die frischen, trendigen Farben lassen die Produkte zu Lieblingen des Alltags werden. Koziol hat eine eigene ORGANIC Collection: Das recycelbare Material besteht aus Zellulosefasern und thermoplastischem Kunststoff. Rig Tig – eine auf Küchenutensilien spezialisierte Marke aus Dänemark – setzt auf das Konzept der Circular Economy: Alle Produkte lassen sich wieder in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen und recyceln.

Rig Tig
Kahla
koziol

Nachhaltig Hübsches für den Haushalt

Die Ästhetisierung des Alltags ist nicht aufzuhalten. Alles womit wir uns umgeben sollte möglichst gut aussehen. Gleichzeitig sollen diese Produkte ebenfalls nachhaltig und für Mensch und Natur gut verträglich sein. Von Bürsten von Normann Copenhagen bis hin zu Verpackungen von Putz- und Waschmitteln bei Humdakin habe ich auf der Ambiente alles entdeckt, das beide Kriterien erfüllt. Labels wie Humdakin und The Organic Company aus Dänemark beispielsweise haben sich darauf spezialisiert: Ihre Textilien sind GOTS und OEKO-TEX zertifiziert. Und auch die Rührschüssel-Ikone Margrethe der dänischen Marke Rosti gibt es nicht nur in Kunststoff, sondern auch in Metall. Waschbare Pflanzenfasern sind die Grundlage für die verschiedenen Taschen der italienischen Firma Uashmama, die als Körbe in der Küche genutzt werden können. Sie sind in zahlreichen, schönen Farben erhältlich und so ist für jeden etwas dabei.

Normann Copenhagen
Humdakin
Uashmama
The Organic Company
Rosti (F&H of Scandinavia)

Nachhaltig anders: Upcycling & Recycling

Kaufen und wegwerfen – und das in einem kurzlebigen Zyklus: Dieses Verhalten gilt es zu verändern und daran arbeiten viele Firmen. Das Unternehmen side by side entwickelt gemeinsam mit jungen Designern und Werkstätten für behinderte Menschen neue Kollektionen. So werden beispielsweise ganz im Sinne des Upcyclings alte Glasflaschen zu Behältnissen für Selbstversorger-Pflanzen umfunktioniert. side by side bietet seinen Kunden übrigens auch einen Reparaturservice an.

3DCork
side by side

Komplett auf Upcycling setzt seit 2014 die Designerin Hedwig Bouley, die für das Label LPJ wertvolle Stoffreste aus der Modeindustrie sammelt und wiederverwertet. Die einzigartigen Designerstücke habe ich gleich in mein Herz geschlossen. Vor allem haben es mir die aus luxuriösen Laschen (also Muster für Modehersteller) zusammengenähten Decken aus Seide, Kaschmir und Leinen angetan. Auch das Recycling nehmen sich viele Hersteller zu Herzen: Bei 3DCork aus Portugal wird recycelter Kork zu hübschen Alltagshelfern wie Schalen, Tabletts und Behältnissen verarbeitet. Beim schwedischen Familienunternehmen Klippan und dem dänischen Hersteller Elvang werden in einigen Kollektionen bis zu 80 % recycelter Wolle verarbeitet. Das finnische Label Gedigo verwertet wildes Elchleder sowie pflanzlich gegerbtes Leder und zeigt, wie zeitlos ästhetisch Nachhaltigkeit aussehen kann, dabei treffen eine minimalistische Turnstange auf butterweiche Lederschürzen.

LPJ Studios
Elvang
Klippan
Gedigo

Dass das Thema Nachhaltigkeit und faires Produzieren bei vielen Herstellern angekommen ist, haben die zahlreichen Ideen für das alltägliche Leben auf der Ambiente 2020 gezeigt. Die Messe selbst nimmt das Thema ernst und hat dazu einen eigenen Messeführer unter dem Namen Ethical Style herausgegeben. Hier werden Stände und Firmen gekennzeichnet, die auf die Produktionsweise achten und sich für soziale sowie ethische Werte stark machen.

Es mag nichts Neues sein, dass Nachhaltigkeit in aller Munde ist. Gleichzeitig kann ein solch komplexes Thema bisweilen überfordernd wirken. Die diesjährige Ambiente hat für mich jedoch mehr als anschaulich vor Augen geführt, wie man im Kleinen schon etwas ändern kann und nicht zuletzt, dass Nachhaltigkeit es vermag, auch durchaus ästhetisch zu sein.



Wer noch mehr Eindrücke von der Ambiente entdecken möchte, findet mehr dazu auf SoLebIch.de

Fotos: Ben Janzen