Zum Schwärmen schön.

Man wähnt sich fast im Hitchcock-Film. Wohin wir auch blicken, ganze Vogelschwärme schauen uns derzeit von überall an. Egal, ob auf dem Laufsteg, auf Buchcovern oder wieder verstärkt im Interior-Bereich, die gefiederten Gesellen sind als Thema überaus präsent. Doch keine Angst: Von pompösen Pfauen bis hin zu schlichten Schwalben – bei dieser Artenvielfalt ist für jeden Geschmack etwas dabei. Also auf zur kleinen Vogelkunde…

Gefiedertes Gedeck

Schon in den Anfangstagen der Porzellan-Herstellung zierten Motive aus der Natur Vasen, Teller und Tassen. Neben verschiedensten Pflanzen waren Vögel seit jeher ein zentrales Motiv. Mit ihrer Anmut und Fragilität passen sie bis heute hervorragend zu dem ebenfalls sehr fragilen weißen Gold. Besonders in China haben verschiedene Vogelmotive unterschiedliche Bedeutungen und jeder dargestellte Vogel eine eigene Symbolik. So steht etwa der Eisvogel für Schönheit, die Elster für Freude, die Schwalbe für Kindersegen und der Kranich für ein langes Leben. Porzellan mit dem entsprechenden Vogelmotiv war und ist daher ein beliebtes Geschenk.

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  • Geschirr von Catchii

Als Motiv waren Vögel somit immer schon Teil der Tischkultur und doch scheinen sich die gefiederten Freunde im Bereich Dining derzeit einer noch größeren Popularität zu erfreuen als bisher. So artenreich und vielfältig wie Vögel nun einmal sind, so unterschiedlich präsentieren sie sich auch in ihrer Funktion als dekoratives Element. Einer der beeindruckendsten Vögel ist sicherlich der Pfau, der mit seinem farbenprächtigen Rad alle Blicke auf sich zieht. So verwundert es nicht, dass er auch dem Teeservice von Franz Collection einen absoluten Wow-Effekt verleiht. Keine Frage, die chinesische Manufaktur versteht ihr Handwerk. Das zeigt sich auch an den vielen Details und den filigran herausgearbeiteten Feinheiten. Auch auf der Vase von Lladró glaubt man tatsächlich Wellensittiche sitzen zu sehen, so naturgetreu sind Farbgebung und Detailreichtum. Da erwacht der wohl beliebteste aller Ziervögel beinahe zum Leben.

Es geht aber auch schlichter und reduzierter, wie der nicht minder schöne Teller von Anne Black und die Teelöffel von PO Selected zeigen. Einfache Formen stehen bei diesen Designs im Vordergrund und überzeugen da, wo Detailverliebtheit nicht ankommt. Lediglich schemenhaft kommen die Federträger hier daher. Auch die Tortenhaube von Qualy Design ziert lediglich ein kleiner gelber Vogel. Wer sich vom eitlen Pfau nicht gewinnen lässt, der wird wohl zumindest von diesem dezenten Luftikus bezirzt.

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  • 1  Vase von Lladró
  • 2  Teller von Miho Unexpected Things
  • 3  Schäler von Ototo Design
  • 4  Teller von Anne Black
  • 5  Salz- und Pfefferstreuer von Edzard
  • 6  Teeservice von Franz Collection
  • 7  Teelöffel-Set von PO Selected
  • 8  Tortenplatte von Qualy Design

Doch nur auf dem Tisch halten es die munteren Flattermänner nicht lange aus. Mit Vorliebe lassen sie sich auch auf Wänden nieder und schauen am Fenster vorbei. Mit den von Pablo Piatti entworfenen Tapeten wird das Wohnzimmer so schnell zu einem tropischen Urwald, bevölkert von exotischen Vögeln wie dem Tucan mit seinem beeindruckenden Schnabel.

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  • © Pablo Piatti

Auch bei den Fensterbildern von Fatboy sind es besonders farbenprächtige Vögel, die auf Zweigen mit nicht minder bunten Blüten sitzen und so jedes Fenster verschönern. Auf diese Weise verschwindet das Alltagsgrau im Handumdrehen.

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  • Fensterbeklebung von Fatboy

Im goldenen Käfig

Interessant ist, dass der Vogel selbst bisweilen in den Hintergrund rückt und stattdessen Dinge, die wir mit ihm verbinden, im Interior-Bereich aufgegriffen werden. So sind Käfige in der letzten Zeit zu einem Thema geworden, mit dem viele Firmen auf ganz eigene Weise spielen. Bei Daqi Concept beispielsweise wird der Singvogel in seinem Käfig zu einem außergewöhnlichen Lautsprecher, der sich ganz einfach per Bluetooth mit einem Tablet oder der Anlage verbinden lässt. Die kleine Porzellan-Nachtigall ist in verschiedenen Farben erhältlich.

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  • Lautsprecher von Daqi Concept

Form und Beschaffenheit des Vogelkäfigs machen ihn aber auch zu einem idealen Lampenschirm, der schöne Lichtspiele an die Zimmerwände werfen kann. Der Vogel selbst ist ausgeflogen. Von ihm fehlt jede Spur. Bei Eichholtz wird der Vogelkäfig als Stuhl interpretiert, sodass man quasi selbst in die Rolle eines Vogels schlüpft und im wahrsten Sinne des Wortes im goldenen Käfig sitzt.

In Sydney setzt seit einigen Jahren ein Kunstwerk des Künstlers Michael Thomas Hill auf die Symbolkraft leerer Vogelkäfige, die sowohl für Freiheit als auch für Vergänglichkeit stehen können. Mit ihrer beeindruckenden Optik locken die unterschiedlich großen Käfige viele Besucher an. Dem Künstler geht es jedoch um eine ernste Botschaft. Die fehlenden Vögel stehen für jene fünfzig Vogelarten, die einst in Sydney heimisch waren, durch die Besiedlung jedoch nach und nach vertrieben wurden. Daher gab Hill dem Kunstwerk den Namen „Forgotten Songs“.

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Auch die Traditionsmanufaktur Meissen setzt auf Vogelmotive. Die kleinen Spatzen und Sperlinge, die auf der Vase mit Schneeballblüten herumklettern, sehen so lebensecht aus, als könnten sie geradewegs zum Flug ansetzen, wenn man sich ihnen nähert. Abstrakter und auch nicht aus Porzellan, sondern aus Kiefernholz, präsentieren sich die Papageien, die auf einen Entwurf von Hans Bølling für Architectmade zurückgehen. Besonders in Reih und Glied – wie die Hühner auf der Stange – sorgen diese bunten Vögel für Eindruck. Auch echte Klassiker werden neu interpretiert. Wartete man schon als Kind gespannt darauf, dass der Kuckuck endlich aus der Uhr kommt und die volle Stunde ankündigt, kann man sich dank des modernen Designs, das Progetti der Kuckucksuhr verpasst, auch jetzt noch daran erfreuen.

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  • 1  Chandelier von Brass Brothers
  • 2  Kissen von Lazis
  • 3  Kuckucksuhr von Progetti
  • 4  Vase von Meissen
  • 5  Sessel von Eichholtz
  • 6  Holzvögel von Architectmade
  • 7  Kerzenhalter von Lili’s Loft

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  • Wandobjekt von Thomas Poganitsch

Von edel bis verspielt, die Artenvielfalt der Vögel macht sie universell einsetzbar. Dabei spielt auch das Material eine große Rolle und ist wie so oft entscheidend für die Wirkung. Das mit Blattgold überzogene Wandobjekt von Thomas Poganitsch erscheint überaus elegant, ist witterungsbeständig und für innen und außen geeignet.

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  • Mobile von Kay Bojesen

Das Mobile von Kay Bojesen aus bemaltem Buchenholz hingegen ist verspielt und doch schlicht. Die hölzernen Möwen sind aber auch abseits des Kinderzimmers ein echtes Statement und ein absoluter Hingucker.

Auch aus der Mode sind Vogelmotive momentan nicht wegzudenken. Immer häufiger flattern Vögel in die Ateliers der wichtigsten Designer und prägen deren Entwürfe für die aktuelle und die kommende Saison. Von Prada, über Valentino bis hin zu Gucci – jeder setzt dabei auf andere Vogelarten und interpretiert das Thema auf ganz eigene Art und Weise.

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  • © Hermès, Valentino, Gucci

Beflügelnde Begleiter

Passend zu den Designs der großen Modehäuser finden sich viele Accessoires kleinerer Labels, die ebenfalls auf die fliegenden Federträger setzen. Clutch und Armband von Nach Bijoux ergänzen sich hervorragend. Beide setzen auf den Tucan als Motiv. Während der handbemalte Armreif aus Porzellan besteht, zieht die Clutch aus Kalbsleder besonders dank ihrer knallig-gelben Farbe die Blicke auf sich. Dezenter ist da der Schlüsselanhänger von Keecie, der lediglich die Silhouette eines kleinen Vogels zeigt. Allem Anschein nach waren die Federn, die man im Frühjahr überall sah, nur der Vorbote des aktuellen Vogel-Hypes. Es zeigt sich: Egal, ob Regenschirm, Schere oder Sitzkissen, momentan gibt es wohl keinen Gegenstand, der nicht auch in entsprechender Vogeloptik zu haben ist. Wir jedenfalls sind ganz beflügelt. Und wie steht es mit ihnen? Sind sie noch völlig vogelfrei oder auch schon ins Schwärmen geraten?

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  • 1  Mobile von Eguchi Toys
  • 2  Clutch und Armreif von Nach Bijoux
  • 3  Schlüsselanhänger von Keecie
  • 4  Schere von Due Cigni Coltellerie
  • 5  Regenschirm von Jamida
  • 6  Porzellanvogel von Hering Berlin
  • 7  Sitzsack von Sitting Bull

Neuer Trend: „Birding“

Wer sich nicht nur mit Deko-Vögeln beschäftigen will, sondern ein kleines Abenteuer in der Natur sucht, der sollte sich über das derzeit wohl angesagteste Hobby unter Städtern schlau machen. Beim so genannten „Urban Birding“ zieht man in kleinen Gruppen los, um heimische Vogelarten zu erkunden. Dabei helfen verschiedenste Apps und Bücher. In Städten wie Berlin trifft man sich sogar schon zum „after work birding“ und auch Hotels bieten spezielle Touren an. Oft genügt es schon nach dem Schlagwort „Birding“ in Verbindung mit der eigenen Stadt zu suchen, um entsprechende Gruppen ganz in der Nähe ausfindig zu machen. Definitiv ein Hobby, das den Kopf frei macht und beim Stressabbau hilft. So fühlt man sich im Nu „Free As A Bird“, um es mit den Beatles zu sagen. Und wer den heimischen Vögeln überdrüssig wird, der sollte unbedingt die Reise nach Indien antreten. Mit über 300 teils gefährdeten Vogelarten ist der Keoladeo Ghana National Park ein echtes Vogelparadies. Etwa drei Stunden von Delhi entfernt, wurde dieser Zufluchtsort für Vögel sogar zum Weltkulturerbe ernannt. Beste Aussichten hat man zwischen August und November sowie von Oktober bis Februar. Dann lassen sich Kraniche, Pelikane, Adler und viele andere Arten beobachten. Ein echter Tipp für „Birding“-Profis.

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