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Von der hohen Kunst der Teezubereitung.

Gesund und vielfältig im Geschmack: Tee ist der ideale Begleiter für den Alltag. Wir sagen Ihnen, worauf Sie bei der Zubereitung achten sollten.

Kleines Blatt, große Wirkung
Wasserkocher anstellen, Teebeutel in einen Becher hängen, kochendes Wasser draufgießen – so bereiten viele Menschen ihren Tee zu. Für Teekenner ist dieses Vorgehen eine eher abschreckende Vorstellung, verhindert es doch, dass der Tee seinen vollen Geschmack entfaltet. Beachtet man aber nur ein paar Dinge, so wird aus dem „schnöden Heißgetränk“ ein großes Geschmackserlebnis. Lose Teeblätter von hoher Qualität sind die Voraussetzung für einen guten Schluck Tee, sagt die Tee-Expertin Natalia Panne.

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Worauf kommt es also an? Zunächst entscheiden Herkunft, Anbaugebiet und Erntezeit über die Qualität eines Tees, der in Form loser Blätter gekauft werden sollte. Neben den unter Feinschmeckern seit jeher beliebten Schwarztees Darjeeling, Ceylon und Assam werden vermehrt die japanischen Sorten Matcha oder Sencha nachgefragt sowie Oolong, Pu Er aus der chinesischen Provinz Yunnan oder Chun Mee, von dessen Sorte 1773 bei der Boston Tea Party zwölf Kisten über Bord geschmissen wurden. „Eindeutige Trends gibt es dabei aber nicht“, sagt Madeline Seel vom Berliner Teesalon, die Nachfrage sei eher saisonal bedingt.

Kein Wunder, denn die einzelnen Teesorten haben nicht nur einen speziellen Geschmack, sondern wirken sich auch unterschiedlich auf das körperliche Befinden aus. Natalia Panne, Gründerin von Tea Exclusive, empfiehlt für den Herbst einen Oolong, weil er gut den Durst löscht, aber nicht zu viel Hitze aufbaut. Im Winter hingegen ist uns Wärme willkommen, sodass sich ein schwarzer Tee wie der Black Honey anbietet oder ein natürlich gereifter Pu Er Tee. Beide wärmen die Seele und harmonisieren den Körper. Und im Frühjahr hat ein leichter grüner Tee, der frisch geerntet wurde, besonders viel Aroma. Überhaupt ist grüner Tee sehr bekömmlich, was mittlerweile auch wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Er hat weniger Koffein als Kaffee, und dieses wird im Körper langsamer abgebaut, sodass die munter machende Wirkung schonender und nachhaltiger ist.

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  • Schwarzen und grünen Tee sollte man nie aus dem gleichen Geschirr trinken. Grünen Tee trinkt man traditionell aus henkellosen Schalen, schwarzer Tee schmeckt in einer Teetasse am besten.
  • 1  Serax
  • 2  T. Nishikawa
  • 3  Emro Aziatica
  • 4  Stelton
  • 5  Vista Alegre

Manche mögen’s nicht so heiß
So vertrocknet Teeblätter vielleicht aussehen mögen – sie sind sehr empfindlich. Daher ist bei der Zubereitung die Wassertemperatur wichtig: Grüner Tee sollte mit 70–80 Grad heißem Wasser aufgegossen werden und, je nach Sorte, 1–2 Minuten ziehen, wärmeres Wasser verdirbt den Geschmack, der Tee wird bitter. Schwarztee wiederum verträgt mehr Hitze, doch sollte man hier nach dem Sieden 1–2 Minuten mit dem Aufguss warten, damit die Wassertemperatur bei 95 Grad liegt. Praktisch, gerade für neue Teeliebhaber, ist ein Teethermometer, das die genaue Wassertemperatur angibt. Dass das Wasser frisch sein sollte, versteht sich von selbst.

Möglichst viel Freiheit
Teeblätter brauchen Platz. Nur dann kann sich ihr Geschmack voll entfalten. Manche Kenner empfehlen deshalb, den Tee lose in die Kanne zu geben, ihn dort aufzugießen, und beim Ausschenken ein Teesieb zu verwenden. Andere schwören auf Tee-Infuser, die man nach der gewünschten Ziehzeit einfach aus der Kanne nimmt, sodass es keinerlei Probleme mit Teeblättern gibt, die sich ihren Weg erst in die Tasse und dann in den eigenen Mund bahnen. Dafür spricht ebenfalls, dass es mittlerweile sehr kreative, witzige und stylische Infuser gibt. Bei aller Liebe zum Design: Geben Sie Ihrem Tee genug Raum zum atmen!

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  • Tee-Infuser von: 1 Toast Living
  • 2 Kinto
  • 3 Blomus
  • 4 Viva Scandinavia
  • 5 Teesieb von Alessi

Oder Sie entscheiden sich für die bewährte Glaskanne mit Siebeinsatz. Bei einigen Modellen können Sie sogar zuschauen, wie Teeblätter (etwa weißer Tee oder Teeblüten) sich in der transparenten Kanne entfalten und zu tanzen beginnen – ein ästhetischer Genuss ganz eigener Art! Für die je nach Teesorte optimale Ziehtemperatur sorgt ein Wasserkocher mit einstellbaren Optionen: ideal ist eine Bandbreite zwischen 70, 80, 95 und 100 Grad Celsius.

Auch die Aufbewahrung entscheidet über die Qualität. Bei zu viel Wärme, Feuchtigkeit oder Licht verlieren die Blätter schnell ihren Geschmack. Doch in einer lichtdichten Dose aus Metall, Porzellan oder Holz, die gut schließt, hält sich grüner Tee bis zu einem Jahr frisch, schwarzer Tee kann teilweise sogar noch länger liegen.

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  • 1 Wasserkocher von Ritterwerk
  • Teegefäße von: 2 Nambé
  • 3 Galzone
  • 4 Zen Minded (Design Plus Gewinner)
  • Teekannen von: 5 Mono
  • 6 Hario

Grünes aus Fernost
Unter den zunehmend nachgefragten grünen Tees erfreut sich der Matcha besonderer Beliebtheit. Er ist reich an Vitaminen, Mineralien, Antioxidantien und Koffein und wirkt auf natürliche Weise besonders erfrischend. „Eine Tasse Matcha aus 2 Gramm Teepulver beinhaltet ca. 64 Milligramm Koffein, fast so viel wie ein Doppelter Espresso“, verrät Natalia Panne.

Beim Matcha werden die Teeblätter zunächst fein gemahlen, anschließend wird dieses Pulver mit heißem Wasser aufgegossen und mit einem Bambusbesen, dem Chasen, verquirlt. So erhält der Matcha seine typische, leicht schaumige Konsistenz. Lässt man den Tee länger stehen, setzt sich das Pulver wieder in der Schale ab. Daher sollten Sie ihn schnell – und ohne Milch und Zucker – trinken.

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Vielleicht rührt die Beliebtheit des Matcha nicht nur von seiner belebenden Wirkung, sondern auch von diesem kleinen Ritual der Zubereitung her. Denn wer Tee genießt, dem geht es nicht nur um die Flüssigkeitsaufnahme, sondern auch um einen Moment der Auszeit. Nicht umsonst wird dies in Asien seit Jahrtausenden zelebriert. Inspiriert von Zen-Buddhismus und Konfuzianismus gelten Teezeremonien dort eher als ein ganzheitliches Kunstwerk.

Das Konsumieren von Getränken und Speisen ist weniger zentral als das jeweilige Ritual – entscheidend ist, sich Zeit zu nehmen und zur Ruhe zu kommen. „Die Zubereitung ist der wichtigste Teil bei einer Teezeremonie. Man macht das nicht etwa, weil man Tee trinken möchte“, lacht Pein-Jen Müller-Lierheim, die Inhaberin des taiwanesischen Teesalons Laifufu in München. Bei ihren Teezeremonien verwendet sie halbfermentierten Oolong-Tee. Dessen Teeblätter werden während der Zeremonie mehrfach aufgegossen, bevor aus winzigen Trinkschalen getrunken wird. Die Handreichungen sind komplex und genau abgestimmt, aber Müller-Lierheim betont: „Es ist alles andere als eine Show, sondern eher wie Meditation oder Yoga.“ Das perfekte Antidot also zu unserem oft übervollen Alltag.

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