Minimaler Stil, maximal hygge.

Gastbeitrag von Valerie Schöneich, designsetter

Unsere Räume werden von vielen verschiedenen Stilrichtungen geprägt. Valerie Schöneich, Innenausstatterin, Designerin, Schriftstellerin und Gründerin von designsetter.de, erklärt, was Atmosphäre für sie bedeutet. Sie gestaltet Interiors, die sowohl zurückhaltend und minimalistisch sind, als auch den maximalen Hygge-Faktor enthalten. Ein gutes Beispiel dafür ist ihr eigenes Zuhause, dessen Inneneinrichtung klar, einfach und reduziert ist. Entdecken Sie, wie Sie diesen Stil für sich selbst umsetzen können.

Wie das Interior sich auf uns auswirkt

Design beeinflusst ganz klar unsere Lebensqualität. Da die Meisten den Großteil ihrer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, ist die Umgebung wesentlich für unser Wohlbefinden. Als Designerin habe ich mich darauf spezialisiert, eine klare Ästhetik voller Leichtigkeit zu kreieren. Deshalb stelle ich mir vor jedem neuen Designprojekt als erstes die Frage: „Welche Atmosphäre wollen wir erschaffen?“. Auf diese Grundlage bauen wir mit Farben, Materialien, Möbeln und Accessoires auf.

Mein Stil und meine Einflüsse

Jeder sucht nach seiner eigenen Interpretation bereits existierender Stilrichtungen, einem Mittel der Selbstdarstellung und einem Weg, sich wohlzufühlen. Dahinter steckt mehr als nur einem bestimmten Trend oder einer Designformel nachzueifern: Es geht um den kreativen Einsatz von Elementen, die unseren eigenen Stil unterstreichen.

Bei meinem persönlichen Stil lasse ich mich von den Strömungen New Nordic und Bauhaus inspirieren. Meiner Meinung nach ähneln sich diese stark, da sie beide Ästhetik sowie Funktionalität in den Vordergrund stellen. Ich sehe mich als Minimalistin, aber meine Richtung ist ein ‚warmer Minimalismus‘ – ich versuche Räume so weit zu reduzieren, dass jeder Bestandteil darin einem klaren Zweck dient. Alle Möbel und Objekte in einem solchen Ort haben einen funktionellen oder emotionalen Wert. Wenn ich ein Interieur designe, greife ich also oft auf klassische Aspekte meiner zwei Lieblingsstile zurück.

Während Bauhaus für ästhetische Funktionalität steht, knüpft der New Nordic Stil an eine minimalistische Lebensform an. Hier werden die einfachen Dinge im Leben in ein neues Licht gerückt, um das Gewöhnliche außergewöhnlich zu gestalten. Alltagsgegenstände werden als Designobjekte verkauft, wodurch dieser Lifestyle zu einer völlig neuen Philosophie wird. Nordische Designer zelebrieren alltägliche Gegenstände und konzentrieren sich darauf, das Meiste aus dem Vorhandenen herauszuholen.

Mit den Wörtern ‚Minimalismus‘ und ‚Schlichtheit‘ beschreiben wir eine authentische und ehrliche Lebensweise. Dieser Philosophie wenden wir uns zu, wenn wir mit unserem Selbst in Kontakt kommen wollen. Das ist die wahre Bedeutung von ‚sich wohlfühlen‘.

Harmonie in den eigenen vier Wänden schaffen

Es gibt viele Wege ein harmonisches Interieur in einem Raum hervorzubringen. Dabei handelt es sich um eine individuelle Wahl, die darauf beruht, welche Atmosphäre wir erwecken wollen. Für mich muss die Umgebung bodenständig und inspirierend sein. Das erreiche ich durch eine einfache, klare und minimalistische Designästhetik; indem ich mich in aller Ruhe auf das Wesentliche konzentriere und Dekoration vermeide, die den Blick zu sehr von anderen Details ablenkt. Wir können uns nur selbst entfalten, wenn wir ein Interior so arrangieren, dass es uns nicht dominiert. Gleichzeitig fällt uns so eine Last von unseren Schultern und wir finden mehr Raum für Kreativität. Wir müssen nicht in weite Fernen schweifen, um unser Interior zu gestalten und wir müssen uns nicht an teuren Möbeln oder Trends orientieren. Schon allein durch Farben, Materialien, Texturen und Objekte mit sentimentalem Wert ist es möglich zu Hause einen ‚warmen Minimalismus‘ zu erzeugen.

Stimmungsvolle Farben

Wir alle wissen, dass Farben unsere Stimmung und sogar unser Denken beeinflussen. Entgegen der verbreiteten Ansicht, ein minimalistisches Interieur müsse gänzlich weiß oder einfarbig sein, gibt es viele geschickte Wege, ein harmonisches Umfeld mit Farbe zu erzeugen. Dazu muss man nur eine Hauptfarbe wählen, mit der man sich wohlfühlt, und dann mit dieser und ihren verschiedenen Schattierungen spielen. Ich liebe die warmen und beruhigenden Eigenschaften von Grau. In unserem Zuhause ist jede Wand in einer anderen Schattierung dieses Farbtons gestaltet. Dadurch entsteht in unserem Innenraum ein gewisses Spiel mit der Tiefe.

So kann eine bestimmte Kernfarbe einen Ausgleich zu allen schlichteren Objekten schaffen. In meinem Beispiel bilden Schwarz, Weiß und Messing einen guten Kontrast zu Grau.

Graues Interior Design in der Designsetter-Wohnung

  • Valeries Zuhause

Nordischer Wandspiegel von Moebe vor grauer Wand in der Designsetter-Wohnung

  • Wandspiegel von Moebe

Minimalistisch muss nicht statisch oder langweilig bedeuten. Je nach Stimmung oder Jahreszeit, können wir bunte Objekte oder Materialien ergänzen oder die Möbel und das Dekor neu arrangieren. Der Schlüssel ist, eine einfache Hintergrundfarbe auszuwählen und darauf aufzubauen. Ich liebe es, in den Wintermonaten kräftige Farben, wie beispielsweise Gelb, Orange oder Stahlblau, hinzuzufügen. So kommt die Sonne in einen kalten und bewölkten Tag.

Grauer Sessel mit Beistelltisch und gelben Accessoires in der Designsetter-Wohnung

  • Valeries Zuhause

Graues Sofa von Broste Copenhagen in der Designsetter-Wohnung

  • Sofa von Broste Copenhagen

Ein Mix aus Texturen und Materialien

Accessoires mit unterschiedlichen Strukturen geben dem Raum eine zusätzliche Dimension. Dazu eignen sich besonders natürliche Materialien wie Leinen, Marmor, handgefertigte Keramikwaren, grobe Wollwaren und helles Holz. Eine Lieblingsvase, ein Schneidebrett oder eine Teekanne sind nur ein paar Beispiele dafür, wie man sich durch Accessoires immer wieder selbst eine Freude bereiten kann.

Marmor-Schneidebretter neben Teekanne und Karaffe in der Designsetter-Wohnung

  • Valeries Zuhause

Serviette von Elvang mit Goldbesteck in der Designsetter-Wohnung

  • Serviette von Elvang

Erleuchte dein Leben

Licht ist ein wesentliches Designelement: Es bietet zahlreiche Möglichkeiten, Atmosphäre zu erzeugen. Beobachten Sie an einem sonnigen Tag nur das schöne Spiel von Licht und Schatten in Ihrem Zuhause. An dunkleren Tagen können Sie Kerzen oder gedimmte LED Lichter als Stimmungsquellen einsetzen.

"Le sac en papier"-Dekoobjekt und Lampe in der Designsetter-Wohnung

  • Valeries Zuhause

Lampen mit Messing-Fassung hängen über hellgrauem Sofa in der Designsetter-Wohnung

  • Valeries Zuhause

Umgeben Sie sich mit Souvenirs

Ein minimalistisches Interior muss nicht kahl sein. Sich mit Gegenständen von sentimentalem Wert zu umgeben hilft Ihnen, einen individuellen Stil zu kreieren und sich zu Hause zu fühlen. Ich liebe Sammeln und habe ein Regal voller kleiner, interessanter Objekte: Schönheit kommt in allen Formen und Größen! Dies ist zudem die perfekte Möglichkeit Ihre eigene Kreativität in ein zurückhaltendes Interieur mit einzubringen. Auch hier gilt es, die richtige Balance zwischen allen Designelementen zu finden.

Stillleben im Hygge-Flair mit Regal vor grauer Wand in der Designsetter-Wohnung

  • Valeries Zuhause

Wie Sie sehen, gibt es viele spaßige und kreative Wege, Wärme und den Hygge-Faktor in eine minimalistische Umgebung zu bringen. Denken Sie daran, dass jeder Aspekt des Interiors unsere Erfahrungen beeinflusst: Mit einer dezenten kreativen Note können wir die einfachen Freuden im Leben genießen.

Styling und Fotografie: Valerie Schöneich
designsetter.de