Weil das Internet nach nichts duftet: Happy New Offline?

Weil auch wir wissen wollten, wohin die Reise in der Konsumwelt geht, haben wir uns im Netz und in den Städten umgesehen. Das Dauerthema Offline versus Online bleibt auf jeden Fall aktuell. Beispielsweise bei „Amazon Go“ in Seattle, dem ersten Offline-Supermarkt, bei dem ausschließlich per App bezahlt wird. Kunden müssen sich lediglich am Eingang mit einem Code ausweisen, danach können sie den Laden mit ihren Einkäufen einfach verlassen. Einige weitere besondere Trends sind uns aufgefallen.

Wer gibt die Tipps beim Curated Shopping?

Kennen Sie das Glück, ein neues Lieblingsteil gefunden zu haben? Aber passt es wirklich zum eigenen Stil? Damit diese Frage jetzt schneller beantwortet werden kann, testet die Modebranche derzeit intelligente Spiegel, die Fotos und Videos generieren. So können Kundinnen direkt vom Shop in den Social Media-Kanälen die nötigen Likes bekommen. Sind alle Freundinnnen gerade zu beschäftigt, gibt es aber auch Experten, die das Kommentieren übernehmen. Oder gleich indiviuelle Outifts online zusammenstellen, wie etwa Modomoto oder Outfittery.

Concept Virtual-Reality-Shopping von Alibaba, buy+

Ein Start-up aus Berlin bietet nun etwas Ähnliches für die Interior-Branche. Wem die Zeit fehlt, Möbelkataloge zu wälzen und Grundrisse zu studieren, kann sich bei 99 chairs von Innenarchitekten online professionelle Vorschläge zur Raumgestaltung machen lassen. Ohne Hausbesuch und zu erschwinglichen Preisen. Wir finden: eine Idee mit Potenzial.

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  • The Store, Berlin

Online oder Offline. Warum oder?

Konsumenten lieben es, sich Inspirationen für ihren eigenen Lifestyle zu holen: egal, ob in einem Concept Store, durch die nützliche Info auf einer Website oder den Tweet zu neuen Farbvarianten. Wichtig für den Konsumenten ist das Gefühl, verstanden zu werden. Ob das bei einem Dialog im Laden oder digital passiert, ist Nebensache. Drei Viertel der Konsumenten wollen auch in Zukunft in realen Läden einkaufen. Und fast die Hälfte der größten Online-Shops betreiben auch reale Stores. Der Wunsch nach ganzheitlichen Erlebnissen für alle fünf Sinne hat sich durch die Digitalisierung noch verstärkt. Hier kann der stationäre Handel punkten: Mit besonderen Locations, etwa bei Pop up Stores, einer Instagramm-tauglichen Raumgestaltung oder anfassbaren Zusatzservices.

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  • Némeau, Lévis, Kanada

Der Store: so viel mehr als Verkaufsraum

Intelligent konzipierte Läden werden immer mehr zu hybriden Orten, die an einer Location Verschiedenes zusammenbringen: ästhetische Überraschungen und Alltag, Shopping und Workshop, Wellnessmomente und Inspiration. Produkte sind online praktisch ständig verfügbar – Begegnungen mit Experten nicht. Das kann ein Weinseminar mit dem Sommelier eines erstklassigen Restaurants sein. Oder der Workshop mit der Konditorin aus der Online-Backshow, die Kunden vor Ort zeigt, wie das mit der 5-stufigen Torte wirklich klappt.

Corso Como-Concept Store

  • 10 Corso Como, Mailand

Sharing Economy: Nutzt du schon oder besitzt du noch?

Warum Geld für etwas ausgeben, das man nur punktuell braucht? Nach diesem Prinzip funktioniert seit Längerem Car Sharing und Co-Working. Warum also nicht auch „sharing economy“ bei Waschmaschinen und Hometrainern? Diese Idee bringt jetzt der Otto-Versand an den Start. Ab sofort können Kunden unter „Ottonow” große Haushaltsgeräte, aber auch Sportequipment monatsweise nutzen und einfach wieder abgeben, sobald der Bedarf sich ändert. Wir sind gespannt, was als nächstes kommt: das Miet-Fondue-Set fürs Wochenende oder der gemeinschaftlich genutzte Rasenmäher?

FC Bayern-Trikots-recycel-Adidas-Ozeanmüll

  • Adidas

Willkommen im grünen Mainstream

Natürliche Ressourcen sind endlich und deshalb schützenswert – dieser Gedanke bekam 2016 auch vom FC Bayern Rückenwind. Die Spieler traten beim Heimspiel gegen Hoffenheim in Trikots aus recyceltem Ozeanmüll an. Jenseits des PR-Nutzens zeigte die Aktion auf jeden Fall, wie sehr Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Noch weiter geht Adidas mit einem Schuh, der ebenfalls aus Ozeanplastikmüll produziert wird. Nach einer Limited Edition ist der Ultra Boost Uncaged Parley nun seit November 2016 serienmäßig im Handel. Konsum, der hilft, die Meere sauberer zu machen und gleichzeitig absolut hip ist. Ob wir 2017 mehr davon sehen?

Qualität schlägt Preis

Dinge, die mit Sorgfalt produziert werden, werden wieder mehr geschätzt – und das quer durch alle Branchen. Dabei spielt sicher das Erwachsenwerden der Millennials eine Rolle. Diese Zielgruppe hat einige Konsumerfahrungen gemacht und wünscht sich jetzt langlebigere Produkte.

Und jetzt?

Konsumenten erwarten viel in 2017: Services, die den Alltag bequemer oder schöner machen, Entscheidungsmöglichkeiten in allen Phasen des Kaufprozesses und einen nahtlosen Übergang zwischen Off-und Online-Shopping. Aber wenn ein Produkt oder eine Idee glaubwürdig und relevant rüberkommt, sind sie auch bereit, angemessen dafür zu bezahlen.