New Living. Vom Glück in kleinen Räumen.

In immer mehr Großstädten entstehen Apartments auf kleinstem Raum. Für Menschen, die zentral leben wollen, werden kleine Wohnungen zur neuen Lebensrealität. Dabei eignen sich „Small Spaces“ nicht nur für alleinstehende Großstädter: In Zeiten der Sharing Economy verhelfen sie einem neuen Lebensstil zum Durchbruch – und sind dank geschickter Lösungen einfacher umzusetzen denn je.

Sie heißen „Mono Apartment“, „Microliving“ oder „Mini-Loft“ und sind oft nicht größer als ein Hotelzimmer. Der Markt für Mini-Wohnungen, die zwischen 20 und 35 Quadratmeter groß sind, boomt auch in Deutschland, wo der Ein-Personen-Haushalt die verbreitetste Wohnform ist. In Frankfurt etwa soll in der ehemaligen Bürostadt Niederrad in den kommenden Jahren Platz für bis zu 10.000 Menschen entstehen. Von den bereits fertiggestellten 4.400 Wohnungen des neuen „Lyoner Quartiers“ sind mehr als ein Drittel Mikro-Apartments, die auf Studenten, Singles und Pendler abzielen.

In anderen Städten hat sich diese Wohnform weltweit schon etabliert. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Menschen in die Städte ziehen. Allerdings spielen auch die zunehmende Digitalisierung des Alltags und die wachsende Ungebundenheit der Menschen eine Rolle, wodurch sich Wohnbedürfnisse auf fundamentale Weise ändern. Wer oft umzieht, hat weniger Hausrat; große Gerätschaften werden geteilt, das spart Platz und Geld; Möbel werden modular, Küchen und Bäder werden kleiner.

Installation von Studiomama in Kooperation mit MINI auf dem Salone del Mobile

Visionäre Wohnkonzepte

Als Alec Issigonis 1959 den Mini entwarf, ersann er ein Auto, das klein, günstig und perfekt für die Innenstadt ist. Mittlerweile überträgt die Marke diese Prinzipien auch auf den Wohnungsmarkt: Zur Mailänder Möbelmesse stellte sie in Kooperation mit dem Londoner Architekturbüro Studiomama ein neuartiges Konzept vor, das den Dialog zwischen Architekten und Bewohnern stärken soll. „Built by All“ hieß das Projekt, das vier modulare Beispielwohnungen von 15 bis 20 Quadratmetern Größe zeigte, die vorhandene Strukturen einer Fabrikhalle nutzten und in einen gemeinschaftlichen Wohnraum mit Gemeinschaftsküche und Fitnessraum eingebettet waren. Derart „lebendige Mikro-Nachbarschaften“ könnten bald in ehemaligen Industriekomplexen oder ungenutzten Häusern auf der ganzen Welt implementiert werden. Ab 2019 wird das sogar in der Praxis erprobt, wenn in einer ehemaligen Farbenfabrik in Shanghai auf 8.000 Quadratmetern das erste Wohnprojekt von Mini Living eröffnet.

Raum im Raum

Ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass kleine Räume spartanisch und ohne eigenen Esprit wirken. Dieses 32 Quadratmeter kleine Apartment in Paris beweist mit seinen unverputzten Wänden, dem kunstvollen Einsatz von Holz an Wänden und Boden und einem ausladenden, gemütlichen Ledersofa das Gegenteil. Besonderes Augenmerk aber verdient der Kubus aus Nanomaterial und Eichenholz, den das französische Designbüro Batiik in die Wohnung eingebaut hat: Er vereint die grundlegenden Funktionen einer Wohnung, ist Bett, Kleiderschrank und Badezimmer zugleich. Die schmale Küche ist direkt nebenan – so bleibt genug Raum für den eigentlichen Zweck einer Wohnung: wohnen.

von Batiik Studio in Paris; Foto: Bertrand Fompeyrine

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Die richtigen Möbel

Auch in kleinen Wohnungen haben große Möbel Platz – es sollten nur nicht zu viele sein. Größere Möbelstücke wie Sofas und Regale können, quer zur Wand gestellt, dabei helfen, einzelne Wohnbereiche optisch voneinander abzugrenzen. In kleinen Räumen sind multifunktionale und modulare Möbel gefragt: Eine gute Schlafcouch kann das Bett ersetzen, ein Schreibtisch auch als Esstisch genutzt werden. Hocker oder Klappstühle eignen sich besser als ausladende Sitze. Geschickte Stauraumlösungen helfen nicht nur dabei, Platz zu schaffen – mit ihnen ist die Wohnung auch im Handumdrehen aufgeräumt.

1 Spiegel von Dekundt Mirror
2 Garderobe von Lind DNA
3 Schreibtisch von Country Living
4 Kleidertange von Vita Copenhagen über Umage
5 Ausziehtisch von Scholtissek
6 Hocker von Metrocs über Visionporter
7 Spiegel von Pinjang
8 Schlafsofavon KARE Design

In die Höhe gehen

Wenn herumliegende Dinge in Schubladen verstaut werden, wirken kleine Wohnungen gleich viel größer. Manchmal funktioniert es aber auch andersherum, wie bei der innovativen Aufbewahrungslösung „Draw a line“ vom japanischen Hersteller Heian Shindo Kogyo. Die Metallstange, die ohne Fixierungen an Boden und Decke – oder zwischen zwei Wänden – befestigt werden kann, lässt sich durch modulare Elemente flexibel erweitern. So wird aus der Aufbewahrungsmöglichkeit ein Schaufenster des Lebens.

Heian Shindo Kogyo

Kleine Küchen

Auch die Küchen werden kleiner. Deshalb zählt auch hier jeder Zentimeter – das fängt schon bei den Schrankgriffen an, die im Idealfall nicht hervorstehen sollten. Auch die Hersteller von Küchengeräten haben ihre Modelle den kleinen Haushalten angepasst. Kombi-Geräte (etwa Mikrowellen mit Backfunktion) sparen wertvollen Platz, ebenso schmale Kühlschränke und Spülmaschinen. Eine Spülmaschine ist übrigens immer ratsam: Nicht nur, weil sie Wasser und Energie spart, sondern vor allem, weil kein schmutziges Geschirr in der Wohnung herumliegt.

1 Glasständer von Toast Living
2 Espressomaschine von Cilio
3 Espressotassenständerset von Leonardo
4 Eierkocher von WMF
5 Karaffe und Glas von Nude Glass
6 Teesieb von Kinto
7 Digitalwaage von Joseph Joseph
8 Teekocher mit integriertem Teesieb von Kitchen Aid
Studio Muc in Frankfurt am Main
Omniturm in Frankfurt am Main

Hoch hinaus

Während Wohnungen sich verkleinern, wachsen die Häuser in die Höhe. In ausländischen Metropolen prägen Wohntürme längst das Stadtbild. In Deutschland waren sie als Bestandteil von Großwohnsiedlungen lange stigmatisiert. Das ändert sich nun: In Städten wie Hamburg, Berlin und Köln, wo Baugrund knapp und teuer ist, entstehen immer neue Türme. Allein in Frankfurt werden in den kommenden Jahren mehr als 20 Hochhäuser fertiggestellt, darunter sogenannte „Hybridtürme“ wie der „Omniturm“ oder das Ensemble „Four“ – ein neuartiges Konzept, das Wohn- und Büroflächen verbindet. Eine der aufsehenerregendsten Eröffnungen im kommenden Jahr ist der „Grand Tower“: Das mit 172 Metern höchste Wohnhaus Deutschlands ist nicht nur mit großzügigen Penthouses ausgestattet, sondern auch mit kleinen Apartments.

„Ori“ von Yves Behar

Flexibilität auf Knopfdruck

Einen anderen, nicht weniger spektakulären Ansatz verfolgt der Designer Yves Béhar mit seinem Büro Fuseproject. „Ori“ (der Name ist an „Origami“ angelehnt) ist ein flexibles, vollautomatisches Möbelstück, das sich als Bett, Schrank und Schreibtisch nutzen lässt. Das Wohnmodul kann per Knopfdruck verschoben werden und ist längst kein Prototyp mehr. „Ori“ gibt es in verschiedenen Materialien und Ausführungen. In mehreren amerikanischen Großstädten wurde der Möbelroboter schon in Apartments installiert.

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