Nächte zwischen Bahnhof und Banken.

Frankfurt ist so international wie keine andere Stadt in Deutschland. Und das schmeckt man: Eine kulinarische Reise durch das Bahnhofsviertel, wo Gegensätze aufeinandertreffen und sich direkt neben der Messe die Vielfalt Frankfurts auf kleinstem Raum konzentriert.

Zwischen dem Westend auf der einen und dem Main auf der anderen Seite liegt ein Viertel, das in seiner Vielfalt kaum zu greifen ist. Das Bahnhofsviertel ist wie eine Weltreise auf wenigen Quadratmetern: Menschen aus fast hundert Nationen leben hier zwischen Rotlichtmeile und Bankentürmen friedlich miteinander. Von den exotischen Lebensmittelgeschäften in der Münchener Straße bis zu den Tabledance-Bars in der Taunusstraße sind es nur wenige Minuten. Doch der einstige Problembezirk, wo viele Schichten aufeinandertreffen, mausert sich immer weiter zum kulturellen Hotspot Frankfurts. Das liegt nicht nur an seinen jungen und aufgeschlossenen Bewohnern aus aller Welt, sondern auch an seiner internationalen Küche und den besten Bars der Stadt, die hier zu finden sind.

Wie alles begann

Als der monumentale Frankfurter Hauptbahnhof – damals der größte Europas – Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete, entstand um ihn herum ein Flanierviertel mit vielen Hotels, Cafés und Restaurants. Im Kaiserreich wohnten 10.000 Menschen in den prachtvollen Gründerzeitbauten, die die Gegend um die Kaiserstraße prägten. Doch der Krieg zerstörte das Viertel, Rotlicht und Drogen zogen ein, viele Wohnungen standen leer. Billiger Wohnraum lockte viele Neuankömmlinge aus dem Ausland, die auch ein Stück ihrer Kultur mit ins Viertel brachten und ihm seinen heute zu eigenen weltmännischen Charme geben.

eatDOORI
Im Herzen Afrikas, Foto: WTF Ivi

Orientalisch. Asiatisch. Afrikanisch.

Da ist zum Beispiel Kanwal Gill. Er ist im Bahnhofsviertel aufgewachsen, seine Eltern besaßen einen Laden für indische Stoffe und Kleidung. 2015 eröffnete er mit dem eatDOORI in der Kaiserstraße ein indisches Lokal in den Räumen, in denen seine Eltern früher ihr Geschäft hatten. Heute erinnert ein Warentisch an die Gemüsewagen auf indischen Straßen, und die Toiletten sind indischen Zügen nachempfunden. Im Angebot sind Street Food-Gerichte und Klassiker der indischen Küche. Gleich um die Ecke gibt es mit Lam Frères eines der besten vietnamesischen Lokale der Stadt, in dem die Sommerrollen auch selbst gerollt werden können.

Ein paar Straßen weiter schlägt das Herz Afrikas: im gleichnamigen Restaurant, dessen Interieur an ein Baumhaus erinnert, werden Spezialitäten aus Eritrea serviert. Eines der beliebtesten Gerichte ist der gemischte Teller, auf dem die Signature Dishes des Restaurants in kleinen Portionen serviert werden (mit und ohne Fleisch). Das Bar Shuka der Gebrüder Ardinast liegt am anderen Ende des Viertels. Das Lokal der beiden Gastronomen, die eine Handvoll Restaurants im Bahnhofsviertel betreiben, ähnelt einem israelischen Markt und mischt hessische Küche mit orientalischen Einflüssen. Die Macher rühmen sich für das frischeste Pita-Brot der Stadt, das sie stilecht mit israelisch-hessischer Grüner Soße servieren – das Beste aus beiden Welten. Denn so stolz die Gastronomen im Bahnhofsviertel auf ihre vielfältigen Küchen sind, so stolz sind sie oft auch auf ihre Frankfurter Heimat.

Currywurst Taunus 25
Pizzeria Montana

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Schnelle Snacks

Die Nachbarschaft zwischen Taunus- und Gutleutstraße ist nicht nur Durchgangsort für tausende Reisende jeden Tag, sondern auch Anlaufpunkt für eine gelungene Mittagspause. Wenn Banker hier zwischen der Arbeit einkehren, strömen sie zu hunderten ins Bahnhofsviertel. Zum Beispiel in die Pizzeria Montana, über deren Tür ein großes Neon-Schild des Künstlers Tobias Rehberger prangt, das „Free Parking / Free Coffee / Freedom“ verspricht und schon manchen Besucher in die Irre geführt hat. Statt Parkplätzen und Kaffee gibt es nur Pizza, und zwar ziemlich gute. Der Ofen kommt aus Neapel, der Mozzarella aus dem benachbarten Offenbach. Wie die Pizzeria Montana haben sich viele spezialisierte Imbisse etabliert, die mit Fast Food wenig gemein haben: Bei Mian etwa gibt es handgezogene chinesische Nudeln, bei Taunus 25 Currywurst vom Landmetzger und Falafel 1818 bietet neben (auch veganen) mediterranen Speisen einen recht unkonventionellen Service an: Longdrinks zum Mitnehmen.

Kabuki
Walon & Rosetti, Foto: Tim Wulf

Feine Gaumen

Obwohl Frankfurt viele hundert Kilometer vom nächsten Meer trennen, gibt es in kaum einer anderen deutschen Stadt so frischen Fisch wie hier. Das hat die Metropole vor allem dem großen Flughafen zu verdanken, von dem aus die frische Meereskost direkt in den Handel geht, zum Beispiel ins Fischlokal Hamsilos & Schenk (mit täglich wechselndem Angebot) oder ins Walon & Rosetti, dessen Karte immer saisonal geprägt ist. Frischen Fisch gibt es auch im Kabuki, das eines der ältesten und besten japanischen Restaurants in Frankfurt ist. Hier wird Teppanyaki gekocht. Heißt: Rindfleisch, Geflügel oder Seafood wird von akkurat arbeitenden Köchen auf Stahlplatten vor den Augen der Gäste zubereitet und angerichtet, ohne großes Chichi, dafür mit erstklassigem Geschmack.

Die Spitzengastronomie hat auch Sterneköche angezogen. Das Restaurant Weinsinn zog vom noblen Westend ins lebhafte Bahnhofsviertel um und verlor damit seinen Stern – der Guide Michelin hatte es unter neuer Adresse zunächst nicht gefunden. Der neue Küchenchef Julian Stowasser, der schon in München als Spitzenkoch arbeitete, soll den Stern nun wieder zurückholen. Das Weinsinn passt zum neuen Selbstbewusstsein des Bahnhofsviertels: Mit seinem modernen Interieur, das sich um eine Baumskulptur von Anselm Baumann entfaltet, und dem freundlichen, unaufgeregten Service ist es eines der besten Lokale der Stadt.

Weinsinn, Foto: Uwe Dettmar

Die Drinks danach

Wer sich nach dem Abendessen zu Frankfurtern gesellen will, kauft sich ein Bier im Yok Yok, wenige Meter vom Weinsinn entfernt. Der Name des Kiosks bedeutet so etwas wie „Gibt’s nicht gibt’s nicht“, und tatsächlich werden hier nicht nur kleine Snacks verkauft, sondern auch 300 Biersorten aus aller Welt. Der Inhaber Nazim Alemdar wohnt seit 36 Jahren im Bahnhofsviertel und begrüßt jeden Gast wie einen Teil der Familie. Getrunken wird auf dem Gehweg vor dem Kiosk bis in die späte Nacht.

Yok Yok, Foto: Felix Feierabend
Kinly Bar

Gediegener geht es einige Blocks weiter zu, in einem dunklen Keller in der Elbestraße. Hier versteckt sich die Kinly Bar hinter einer unscheinbaren schwarzen Eingangstür. Wer klingelt, dem öffnet sich eine Treppe hinab in den Keller, wo es keinen Handyempfang gibt, dafür erstklassige Cocktails und – wenn der kleine Hunger kommt – auch Hot Dogs. Alternativ lohnt sich ein Abstecher ins Giulia Super direkt neben dem Hauptbahnhof, einem vielversprechenden Neuzugang in der Frankfurter Barszene.

Plank Bar, Foto: Holger Wüst

Und dann gibt es immer noch das Plank. Noch heute sammeln sich Menschentrauben vor der Bar, in der vor einigen Jahren der Aufstieg des Bahnhofsviertels seinen Ausgang nahm. Gegründet wurde das Ecklokal vom stadtbekannten DJ Ata Macias, der sich mittlerweile aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Wer im Winter aus einem der Fenster nach draußen schaut oder im Sommer einen Platz auf dem Gehweg ergattert hat, sieht die Menschen vorbeiziehen, die dem Bahnhofsviertel seinen einzigartigen Charakter geben. Dem Viertel, wo sich auf nur 50 Hektar Frankfurt in Reinform konzentriert: ein Ort, an dem niemand Angst vor Neuem und Fremdem hat, ein Ort, der 24 Stunden lebendig ist. Das Bahnhofsviertel ist der Ort, der Frankfurt zu Deutschlands einzig wahrer Weltstadt macht.

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